Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 23-24 (10.9.1917)
- Article
- Am fremden Strom
- Date
- 1917-09-10
- Page
- Seite 699 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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___:_______________....... _699 „Es fließt wohl ebenso wie unser Wasser hier . . .u „Unser Wasser?, sagt der Enkel. „Fremd ist uns dieses Wasser, den Fremden gehört es und nicht uns, jüdisches Blut ist hier vergossen worden. Wir haben unsere Heimat in Erez-Isroel, und wir sehnen uns dorthin . „Weit ist Erez-Isroel", brummt der Alte. Er schüttelt den Kopf und blickt in die Ferne. In der Ferne, am Ende dos Städtchens, unten am Wasser, liegt der Friedhof. Die Mauer ist in die Erde eingesunken. Man sieht nur einige Grabsteine und einige Bäume oben auf dem Hügel. -Zwischen ihnen das Dach des Grabhäuschens, unter dem der heilige Rabbi begraben ist. Und da ist auch noch ein zweites Grabhäuschen, das zwischen den Grabsteinen emporragt und stumm auf das Wasser hinunterschaut: es ist seines Vaters Grab, und daneben ist ein Fleck Enk abgezäunt, wo er selbst dereinst ruhen wird. Neben seines Vaters Grab ist der Platz für ihn bereitet . . . Der Alte richtet den Blick in weite Ferne ... In weite Ferne fließt das Wasser dahin. Hier an diesem Ufer wird er liegen, in dieser Erde, in alle Ewigkeit . . . Sein Grabstein wird stumm auf das Wasser hinabschaucn, und der Strom wird ewig in die Ferne ziehen . . . „Mein Kind", sagt der Alte, sich von seinem Platze erhebend. „Du bist jung, du kannst alles mit deinen eigenen Augen sehen . . . Aber ich bin schon zu alt, mein Kind, mir winkt das Grab . . „Es ist vorbei . . . Ich werde mich wohl mit der Wanderung der Seele nach dem Tode begnügen müssen . . „Alte, tote Seelen, ihr werdet alle in der Wüste umkommen, ihr Knechte des Golus, — das junge Geschlecht wird aber nach Erez-Isroel kommen", murmelt der Junge vor sich hin. Der Alte nickt mit dem Kopf, als ob er ihm beistimmte: „Ja, mein Kind, ja . . (Deutsch von A 1 e x a n d e r E1 i a s b e r g.) Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft Von Hermann Cohen 17. Der Tag der Versöhnung CT^TVrsöhnung des Menschen mit Gott, das ist das ganze Problem der Religion. Daher ist erste Forderung der Religion: (SvtS). daß der Mensch der Versöhnung mit Gott bedarf, da sein Streben und Tun in Widerspruch steht mit der Aufgabe, die ihm Gott für sein Dasein gestellt hat. An diese erste Forderung aber schließt sich die zweite an: daß der Mensch der Versöhnung mit Gott ebenso fähig, als bedürftig sei.