Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 23-24 (10.9.1917)
- Article
- Am fremden Strom
- Date
- 1917-09-10
- Page
- Seite 697 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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697 die Erde. Und sie hüben zu weinen an und hielten unter freiem Himmel das Nachmittagsgebet ab, und dann kauften sie die erste Elle Boden und gründeten die erste Kolonie . . „So, so . . wundert sich der Alte, und schüttelt den Kopf und schaut, ins Wasser. . . . Zion, unser Zion, von dem im Chumesch die Rede ist, dort liegt es, in weiter Ferne . . . Das Land, in dem die Juden gewohnt haben, die Kinder Israels, wie es im Chumesch steht . . . Da geht eine Straße,-mit Kies beschüttet, von Tannen eingefaßt, sie führt nach Bethlehem. Da ist ein Grab, Mutter Raheis Grab, das „Kejwer Rochei", von dem im Chumesch steht, daß es unser Vater Jakob gebaut hat; . seine Hände haben die Steine zusammengefügt, unseres Vaters Jakobs Hände haben es gebaut . . . Und da ist die Zwiefache Höhle, die Vater Abraham von den Kindern Heth gekauft hat, wie es im Chumesch beschrieben ist. Für vierhundert Taler hat er sie gekauft. Dort liegen unsere Väter Abraham, Isaak und Jakob begraben. Und mit ihnen unsere heiligen Mütter . . . „Ach, wenn man seine alten Knochen dorthin schleppen könnte! . „Zion, unser Zion, von dem im Chumesch geschrieben ist . . . seufzt der Alte und schaut aufs Wasser. Da fließt der Strom in weite Ferne, es ist unser Strom. . . . Kindheit. Ein Sommertag. Der Rebbe läßt die Kinder früher als sonst aus dem Glieder . . . Man geht am späten Nachmittag zum Wasser hinunter. Da steht ein Boot. Er springt hinein. Die andern stoßen das Boot ab . . . Nun ist er schon ein junger Mann, ißt „Köst" beim Schwiegervater ... Er geht am Ufer spazieren. Es ist Herbst. Alles ist so traurig, die Blätter fallen von den Bäumen. Arn Ufer üst es feucht . . . Das Wasser rennt zornig vorbei, es brummt wütend vor sich hin. Er geht hart am Wasser und denkt an die Zukunft, ans Geschäft . . . Das Wasser schlägt ans Ufer ... Und dort steigt eine Welle auf und rollt in die Ferne ... „Hart war die Erde", erzählt der Enkel. „Achtzehnhundert Jahre lag sie brach, achtzehnhundert Jahre wartete unsere Mutter auf ihre Kinder, die im Golus schmachteten . . . Andere Völker wollten sie nehmen, wollten ihre Erde bearbeiten, aber sie wollte ihre Frucht und ihr Blut den Fremden nicht geben ... Sie wollte brach liegen, bis ihre Kinder zu ihr zurückkehren würden . . . Und die Kinder kehrten zurück . . . Und sie begossen ihre Erde mit ihrem Herzblut, und heute haben wir schon zwanzig Dörfer in Zion. Unsere Brüder bearbeiten unser Land . . .u Und der Alte sitzt und lauscht. . . . Zion, von dem im Chumesch die Rede ist ... Da steht ein Mann mit einem Pfluge und bearbeitet die Erde . . . Und dort in Jerusalem steht der Tempel, unser Tempel steht noch da: eine Mauer ist erhalten, die westliche Mauer, die Klageinauer. . . Und Bäume .... Und da ist Bethel, der Ort, wo unser Vater Jakob übernachtet hat und