Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 23-24 (10.9.1917)
- Article
- Der Kahal in Polen im XVI. bis XVIII. Jahrhundert
- Date
- 1917-09-10
- Page
- Seite 688 (sequence 8)
- Language
- German
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- Ostroh 1× ep/1047766
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668 bierten die Juden beim König ein Gesetz zu erlangen, wonach man sie in die Zünfte aufnehme. Sigismund III. entschied aber die Sache am 20. Juli 1629 gegen die Juden und verbot den Zünften, einen Nichtkatholiken als Lehrling, Gesellen oder Meister auszubilden oder aufzunehmen44). Nun waren die jüdischen Handwerker im Sinne des Gesetzes Pfuscher und durften als solche das Handwerk nicht ausüben. Sie waren aber zu stark, um die Waffen zu strecken, und hatten überdies keine Möglichkeit, sich anderswo zu betätigen, und so schritten sie zur Schaffung jüdischer Zünfte. Viele Jahre dauert in allen großen Städten der Kampf der jüdischen mit den christlichen (städtischen) Zünften, ein Kampf, der mit allen „Rechts- und Linkswaffen, mit Axt und Feder" geführt würde und endlich gegen die Mitte des XVIII. Jahrhunderts den Juden den Sieg brachte. Dieser Zünftestreit bildet die eigentliche Entwicklungsgeschichte des jüdischen Handwerks in Polen und gehört in ein anderes Kapitel, hier wollen wir nur in Kürze die Verfassung der Brüderschaften und Zünfte darstellen. „Es waren Brüderschaften" — schreibt Natan Neta Hannover im Jahre 165145)~~, „deren Mitglieder vor dem Morgenrot aufstanden und Tränen über den Fall Jerusalems vergossen, und als der erste Sonnenstrahl den Himmel durchschoß, standen die ,P s a 1 m e n b r ü d e r4 auf und ,sagten' eine Stunde vor dem Gebet Psalmen. Allwöchentlich beschlossen sie den ganzen Psalter .... In einer jeden Synagoge waren ,Brüderschaften der Weisen*, die vor und nach dem Gebete Bibel und Talmud vortrugen.44 Außer diesen Brüderschaften mit rein contemplativen Zweck waren auch andere, die „tätige* Nächstenliebe" auf das Banner schrieben. So besteht in Ostrog (Wolhynien) eine Wohltätigkeits- Brüderschaft, welche den Rabbinern für die Predigten Zuschüsse und fremden Predigern Unterstützungen zukommen läßt; die Mitglieder dieser Brüderschaft pflegen Kranke, waschen und kleiden Tote, lösen Gefangene aus und bestatten die Märtyrer für den Glauben; mit einem Worte, sie tun alles, was in anderen Städten mehrere Kahalskommissionen zu leisten haben. Die „Brüder" (G7ta?mnm*Genossen) teilen sich in: .1. Novizen (3 Jahre der gröbsten Arbeit im Krankenhaus und am Friedhof), 2. Brüder mit aktivem Wahlrecht durch 2 Jahre, 3. Vollbrüder. Als Novizen wurden Knaben von 13—14 Jahren aufgenommen, welche die zwei Unterstufen bis zur Hochzeit absolvierten; auch Frauen gehören der Brüderschaft an, jedoch nur als extern schaffende Mitglieder, Der Vorstand der Brüderschaft bestand aus Vo r s t e h e r n (Gabbaim) und Appellanten. Es gab 6 Vorsteher (und einen Ersatzmann), von denen je 2 einen Monat die Geschäfte der Brüderschaft führten. Auch ein 44) B alab a n: Lemberger Juden S. 470, 45) In seiner Chronik: Jawei Mezula. Schlußteil. (In der Kayserlingschon Obersetzung weggelassen.) In meiner polnischen Übersetzung (Lemberg 1912) S. 72.