Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1917-09-10 · Heft 23-24 (10.9.1917) · p. Seite 676

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 23-24 (10.9.1917)
Article
Zur Schulfrage der Ostjuden
Date
1917-09-10
Page
Seite 676 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2908689-2908690-2908713-2910150--1082-2910191
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

yj6 _^___ jChedarim das Hebräische die alleinige Umgangssprache werden. Der i;Lehrplan wurde dahin erweitert, daß zu den Teligiös-nationalen Fächern ein systematischer hebräischer Sprach- und Literaturunterricht hinzukam, und auch die nachbiblische nationale Geschichte bis zur Gegenwart fand weitgehende Berücksichtigung. Auch gliederte man bald aus einem vorhandenen und empfundenen Bedürfnis heraus diesen hebräischen Schulen hebräische Kindergärten nach Fröbelschen Gedanken an. Solch ein organischer Aufbau der jüdischen Erziehung hat sich bisher innerhalb Polens in Warschau und Lodz verwirklicht; namentlich in Warschau sollen die Grundsätze und die Erfolge dieser Rcformanstaltcn mustergültig sein. Diese Entwicklung erfolgte nach „immanenten" Gesetzen; sie brachten es mit sich, daß die Seele der Schule, der jüdische Geist und die nationale religiöse Prägung, von den Reformen bei aller Wandlung und Besserung der sonstigen Verhältnisse nicht berührt wurden und auch weiterhin unberührt bleiben würden. Denn das Hebräische war und blieb der Herzschlag der jüdischen Schule, und das Wesen des alten echten jüdischen Geistes kann nur gespürt und erhalten werden durch eine Pflege des hebräischen Schrifttums, neben dem die übrigen Bildungs- und Kulturaufgaben in dem Rahmen der allgemeinen volkserziehlichen Veranstaltungen einherzugehen hätten. 3. Deutsche Verwaltungsmaßnahmen und nationaljüdische Forderungen Da kam der Krieg. Die Besetzung Russisch-Polens und in ihrem, Gefolge die deutsche Verwaltung unterbrachen diese aus inneren Notwendigkeiten geborene Entwickelung, ehe noch die Entfaltungsmöglichkeiten der alten jüdischen Schule sich voll auswirken konnten. Nun ist es die Frage: Soli diese tief im jüdischen Volksleben wurzelnde, von innen gewachsene Entwicklung nicht gelten oder wieder rückgängig gemacht werden? Kann bei der Schaffung einer modernen jüdischen Volksschule von den gegebenen Verhältnissen und den dem innersten Wesen entspringenden Entwickelungslinien einfach abgesehen und nach fremden, nicht aus dem Geistesleben und den Überlieferungen des Volkes hergeleiteten Gesichtspunkten Neuland angebaut werden? Oder wird ein solches Unternehmen nach inneren Gesetzen und geschichtlichen Erfahrungen von vornherein seine Einflußmöglichkeiten selber begrenzen, und wird der Selbsterhaltungstrieb eines Volkes, der bisher dem Russifizierungsanstunn standgehalten hat, auch anderen papiernen Versuchen gegenüber seine lebendige Kraft der „Kontinuität" behaupten? Gewiß will die deutsche Verwaltung bei allem Mühen um Volksbildung dem orthodoxen Talmudjudentum alten Schlages sein Recht nicht verkümmern, es soll seine „Jeschiba" (die Hochschule des Gesetzes) behalten — das beweist die feierliche Wiedereröffnung der berühmten Jeschiba von Kowno durch die Regierung, von der die „Kownoer Zeitung" unter dem 1. Februar 1916 eingehend berichtete. Gewiß mag

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.