Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 22 (25.8.1917)
- Article
- Archiv für jüdische Wirtschaftsfragen
- Date
- 1917-08-25
- Page
- Seite 645 (sequence 5)
- Language
- German
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645 Ein nicht zu leugnender Nachteil dieser Organisation,- deren-Auf« bau im übrigen verblüffend einfach erscheint, liegt noch darin, daß ihr hinsichtlich ihrer Mitarbeiter enge Grenzen gezogen sind. Nicht nur die Leitung und Überwachung, sondern auch die Detailarbeit bleibt auf „Fachleute" beschränkt, auf Menschen, an welche recht hohe Ansprüche gestellt werden müssen, und die erfahrungsgemäß meist so sehr anderweitig in Anspruch genommen sind, daß man nicht immer zuverlässig auf ihre Aktivität rechnen kann. Hier setzt nun der Ergänzungsvorschlag ein, der die Möglichkeit der Heranziehung auch solchen Menschenmaterials sichern soll, an das nur geringere und nicht wissenschaftliche Ansprüche gestellt werden können. Dadurch kann zumindest eine Materialb'e schaff u n g auf breitester Grundlage organisiert werden, was natürlich bedingt, daß dieses Material nun seitens des Ausschusses selbst, also unter teilweiser Emanzipierung von seinen ordentlichen Mitgliedern der Gesellschaft verarbeitet werden muß. III. Die Materialbeschaffung. War es also beim bisherigen Vorschlag so gedacht, daß die eigentliche geistige Arbeit ausschließlich von den Mitgliedern verlangt wurde, während der an der Spitze befindliche „Prüfungsausschuß" sich mehr auf ein Beurteilen, Anregen und Prüfen zu beschränken hatte, ergibt, sich nunmehr die Notwendigkeit, Material geringerer Qualität, aber größerer Quantität zu beschaffen, so daß das Schwergewicht der „Verarbeitung" z. T. in den Ausschuß selbst verlegt wird. Das Wesentliche ist hier, daß allerhand Material, mehr oder minder wertvoll und oft geradezu wahllos, einläuft, entweder aus eigener Initiative des Berichterstatters oder auf Grund von Enqueten, Fragebögen usw., die seitens des Ausschusses herausgeschickt werden — und dieses Material muß nun innerhalb des Ausschusses selbst gesichtet, geordnet und schließlich verarbeitet werden. Als Mitarbeiter gilt schlechterdings jeder, d. h. jeder hat die Möglichkeit (und wird ersucht), über jüdischwirtschaftliche Dinge seines eigenen Erfahrungskreises zu berichten, ganz nach eigener Wahl, nur nach allgemeinen Gesichtspunkten, von deren Festlegung noch die Rede sein wird. Damit erfährt also der Prüfungausschuß eine erhebliche Erweiterung. Zusammengesetzt aus Männern von fachmännischer Bedeutung, . teilt er sich in so viele Abteilungen, als es der wissenschaftlichen Bearbeitung würdige Einzelgebiete gibt. Zunächst arbeitet er ein Betätigungsprogramm aus, in dem er diese Gebiete gegeneinander abgrenzt: Handel, Industrie, Landwirtschaft, Finanzwesen, Bevölkerungswesen, soziale Fürsorge, Gemeindeverwaltung, Aus- und Binnenwanderung, Kolonisation, Schulwesen usw. An die Spitze einer jeden Abteilung tritt möglichst ein besonderer Leiter. Im Interesse einer fruchtbaren Arbeitsverteilung gründet der Ausschuß nun „Unterabteilungen" oder Sammelstellen, in größeren Städten, denen ein bestimmter Bezirk (Provinz) zugeteilt wird, d. h. er sucht sich daselbst Vertrauensmänner — vielleicht werden manche Kultusgemeinden solche Abteilungen einrichten und sich angliedern —, die sich das Material aus dem ganzen Bezirk verschaffen und es geordnet.