Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 22 (25.8.1917)
- Article
- Archiv für jüdische Wirtschaftsfragen
- Date
- 1917-08-25
- Page
- Seite 646 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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646 gesichtet und evtl. schon verarbeitet oder mit eigenen Ergänzungsarbeiten versehen allmonatlich an die Zentralstelle weiterleiten. Dort zirkuliert es bei allen Abteilungsleitern, von denen ein jeder das in «eine Abteilung fallende Material an sich nimmt. Die Materialbeschaffung selbst beruht auf freiwilliger Mitarbeit. Es wird die Aufgabe der Leiter bei den Untergruppen, bezw. der Vertrauensmänner bei den Kultusgemeinden sein, an diejenigen heranzutreten, von denen man auf Grund ihrer bürgerlichen Stellung, Vorbildung, Erfahrung usw. Einzelberichte kleineren Umfanges über Dinge ihres Wirkungskreises erwarten kann, z. B. Monographien jüdisch-interessanter Unternehmungen, Erscheinungen des ökonomischen Kampfes zwischen Juden und Niehtjuden, Wirkungen des Krieges, Heereslieferungen usw. Natürlich w'rd zunächst eine Fülle wahllosen Materials einlaufen, voll von Allgemeinheiten, die man sehr gründlich wird sichten, oft wahrscheinlich überhaupt als wertlos wird ablegen müssen. Dies verläuft sich dann allmählich, der Stoff zu den allgemeinen Betrachtungen erschöpft sich und der Sinn wird für mehr konkrete, positive, statistische Arbeiten geschürft. Seinerseits erläßt der Ausschuß nun genaue Arbeitsrichtlinien, stellt Rundfragen, veranlaßt Erhebungen über besonders wichtige Fragen und sendet genau detaillierte Fragebogen aus. Zu diesem Zwecke errichtet er bei sich eine besondere Abteilung für Organisation, welche dafür sorgt, daß nicht jede einzelne Abteilung auf eigene Faust Rundfragen veranstaltet und welche unter Berücksichtigung des Grades ihrer Wichtigkeit die zu bearbeitenden Fragen gliedert und das Material (Fragebogen) genau und gründlich vorbereitet. Bei dem Ausschuß sammeln sich also Stöße von Material, deren Verarbeitung den Abteilungsleitern zusammen mit den ihnen zugewiesenen Hilfskräften obliegt. Dies wird im Laufe der Zeit einen größeren Apparat erfordern, aber es ist wohl ganz außer Zweifel, daß zu einer solch praktischen, segensreichen und dem Verständnis unserer Industriellen und Kaufleute gewiß naheliegenden Institution, die überdies über allen Parteien stehen würde, Gelder von allen Seiten flüssig gemacht werden könnten. :f: $ Das Institut, dessen Gründung hier vorgeschlagen wird, soll also organisatorisch aus zwei gleich wichtigen Zweigen bestehen. Einmal bildet sich jene wissenschaftliche Akademie, die, auf der aktiven Mitarbeit ihrer „korrespondierenden14 Mitglieder aufgebaut, vielleicht die erste Stufe zu einer allgemeinen jüdischen Universität bilden kann, und die zunächst in jedem Falle eine Zusammenfassung und Aktivierung aller auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiete liegenden geistigen Kräfte des Judentums bedeutet. Diesem geistigen Grundstock gliedert sich nun die Organisation der Materialbeschaffung als wesentlichstes Hilfsmittel an. Die immense Bedeutung der ganzen Angelegenheit spricht so sehr für sich selbst, daß es unzweckmäßig wäre, das Projekt anders als frei von agitierenden und werbenden Schlußworten wirken zu lassen.