Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 22 (25.8.1917)
- Article
- Archiv für jüdische Wirtschaftsfragen
- Date
- 1917-08-25
- Page
- Seite 644 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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644 Arbeitsvorschläge enthalten, auf die Möglichkeit ihrer Verwirklichung hin zu prüfen, Diese einlaufenden Arbeiten bilden die materiell e Q r u n d 1 a g e der Gesellschaft. Daher nimmt diese als ordentliche Mitglieder nur solche auf, die geeignet sind und die die Verpflichtung tibernehmen, sagen wir alljährlich mindestens zwei Spezialarbeiten einzureichen, etwa in dieser Art: Wie überführt man das jüdische Stadtproletariat im besetzten Gebiet in produktive* Berufe? (Garten- und Gemüsebau, Handwerk usw.) Oder: Die Frage der Kreditgewährung' bei den Ostjuden. Oder: Die Wirkung eines Getreidemonopols auf die wirtschaftliche Lage der deutschen Juden. Bei einer Mitgliederzahl von etwa 50, die unter Einrechnung von Österreich-Ungarn, Holland, Dänemark und der Schweiz leicht zu erreichen wäre, würde dies schon in einem Jahre 100 Arbeiten bedeuten, die den Vorteil haben, daß sie, nicht von publizistisch-journalistischen Erwägungen befangen, sachlich, fachmännisch, konkret und positiv sind. Zweifellos wäre die Gefahr, zuviel Arbeiten zu erhalten, größer als die entgegengesetzte. Die einlaufenden Arbeiten werden, sofern der Prüfungsausschuß nicht von vornherein auf völlige Unverwendbarkeit erkennen sollte, vervielfältigt und jedem Mitglied zur kritischen Rückäußerung zugesandt. Und zwar nicht nur jenen (ordentlichen) Mitgliedern, die sich zur aktiven Mitarbeit verpflichtet haben, sondern einem weiteren Kreis von (außerordentlichen) Mitgliedern, die also gewissermaßen lediglich Abonnenten dieser Arbeiten sind und sich gegen Zahlung eines entsprechenden Betrages die Möglichkeit sichern, an Hand von gründlichen, fachmännischen und jeder Journalistik und Tagespolemik entrückten informativen Arbeiten ihre Kenntnisse zu erweitern. Hierin liegt gleichzeitig ein Hinweis auf die Finanzierung der Gesellschaft die hauptsächlich-eben durch solche, sowie durch außerordentliche Beiträge, zu denen sich ohne Zweifel bald zahlreiche jüdische Industrielle und Kaufleute bereitfinden werden, zu erfolgen hat. Überdies sind die Unkosten gering, da sie sich zunächst auf die reinen Vervielfältigungskosten beschränken und erst im weiteren Verlauf durch Aussetzen von Prämien für besonders wertvolle Arbeiten oder für Arbeiten auf besonders namhaft gemachten, noch unerforschten Gebieten, durch Gewährung von Stipendien, durch Veröffentlichung geeigneter Sonder- oder Sammeldarstellungen (wie es seitens der Handelshochschulen Köln und München geschieht), durch Veranstaltungen von Tagungen usw. anwachsen können. Der Prüfungsausschuß entscheidet letzten Endes, ob die (mit kritischen Bemerkungen versehenen) wieder zurückgelaufenen Arbeiten als endgültig zu betrachten oder aber, ob sie dem Verfasser zur nochmaligen Überarbeitung zurückzustellen sind.. Im ersteren Falle verleibt er sie entweder dem Archiv ein, indem er sich ihre Verwendung zur geeigneten Zeit vorbehält (Veröffentlichung o. dergl.), oder er bemüht sich, falls sie positive Vorschläge enthalten, finanzkräftige Körperschaften zu ihrer Ausführung zu gewinnen. Und zweifellos werden die Projekte, die einer so gründlichen und fachgemäßen Schule entstammen, eine gute Aufnahme finden.