Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1917-08-25 · Heft 22 (25.8.1917) · p. Seite 636

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 22 (25.8.1917)
Article
Glaube und Heimat
Date
1917-08-25
Page
Seite 636 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2908689-2908690-2908712-2910098--1024-2910121
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

636 des Judentums kämpfen und dabei das Vätererbe erwerben, um es zu besitzen, lieber durch Treue die innere Ehre zu bewahren, als nach den äußeren Ehren des Staates zu begehren, das sind Gedanken, die der Zentralverein in die weitesten Kreise der deutschen Judenheit getragen hat, Je länger je mehr hat er sich bemüht, über die negative Abwehrfähigkcit herauszuwachsen, positiver, innerlicher, jüdischer zu werden °). 5. Das Judentum wiederbeleben wollen auch die Zionisten. Daß sie sich weitere Ziele gesteckt haben, die Judenfrage für die gesamte Judenheit lösen wollen, das brauchte uns nicht zu scheiden; denn auch wir wollen, indem wir jüdischen Geist auf dem Boden unserer Kultur wieder beleben, schließlich dem g e s a 1111 e n Judentume dienen und sie wollen doch auch das deutsche Judentum wiederbeleben. Was uns aber trennt, ist d e r W e g. Auf einem anderen Wege wollen sie das Judentum wiederbeleben als wir. Sie gingen aus von dem Schicksal der Ostjuden; dort, wo die Juden eine Nationalität sind, dort ist eine „Judennot ganz elementarer Art, eine Not des Leibes und der Nahrung". Da lag der Gedanke nahe, ihnen ein neues Ideal, eine neue Heimat zu geben. Für dio dortige Glaubensnot erschien ein Heil nur aus der Umsiedlung zu erwachsen. Judenstaat, öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte, Nationaljudentum, geistiger Nationalismus — auch das zionistische Programm hat sich, wie begreiflich, im Laufe der Zeiten nuanciert und entwickelt — waren die Losung zur Erlösung aus dem Exil; der Nationsgedanke, das nationale Banner wurde aufgepflanzt, um den Ostjuden neue Lebenshoffnung, neue Lebensbedingungen zu geben. Auch für die Westjuden sollte es ein Banner werden, Sie sollten noch durch ein strafferes Band als das der allgemeinen Menschenliebe und der Glaubensgemeinschaft herangezogen werden, um die leibliche und geistige Not der Volksgenossen zu lindern. Palästina sollte den entrechteten Ostjuden eine Heimstätte, den Westjuden ein Vorbild, ein Resonanzboden sein, auf der jüdische Seele und jüdischer Geist einen besseren Widerhall finden als auf dem' Boden des Exils. Der Jude sollte, um wahrer Jude sein und das Judentum wiederzubeleben, jüdischnational fühlen und leben. Wer nicht jüdischnational fühlt, ist Assimilant. unjüdisch,' befördert den Abfall und Zerfall; Assimilation und Zentralverein sind eine Gefahr für das Judentum, so schallt es auf der Seite der Zionisten. Ihr seid undeutsch, vaterlandslos, befördert den Antisemitismus und seid eine Gefahr für das Judentum, so schallt es auf der anderen Seite wieder. Wo ist die Wahrheit? . V. Wenn ich von der Gefahr der nationalistischen Bewegung 10) für das Judentum ges[Drochen habe, so hat mich folgende Auffassung geleitet: 1. Den Vorwurf, daß die deutschen Zionisten undeutsch seien, dem Kaiser nicht geben, was des Kaisers ist, habe ich mir damit nicht 10) Daß die Äußerung so gelautet hat, wie sie Blumenfeld angibt, bestätigt weder meine Erinnerung noch das mir jetzt vorliegende gedruckte Protokoll der Hauptversammlung vom 4. Februar 1917.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.