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Neue jüdische Monatshefte · 1917-08-10 · Heft 21 (10.8.1917) · p. Seite 604

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 21 (10.8.1917)
Article
Die jüdische Wissenschaft und ihre psychologischen Aufgaben
Date
1917-08-10
Page
Seite 604 (sequence 6)
Language
German
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604 logischen Struktur des Juden überhaupt. Man wird durch sie beginnen, seine Eigenart zu verstehen und auf gewissen psychischen Gebieten abzugrenzen und zu formulieren. Und diese Selbsterkenntnis ist uns nötig. Der Instinkt der Zusammengehörigkeit ist den Juden bis auf klägliche Überbleibsel abhanden gekommen, darum bleiben alle triebhaften Handlungen, die sonst aus dem nationalen Instinkt entspringen, bei ihnen aus. Es gilt — da ein verlorener Instinkt nicht als solcher wiederzugeben ist — das Bewußtsein der Gemeinsamkeit lebendig zu machen, damit aus ihm W i 11 e n s handlungen folgen. Ein wichtiger Faktor bei diesem Streben ist die Erkenntnis der Eigenart jüdischer psychischer Struktur. So gilt es, nach dieser Richtung die aus Psychotechnik und Entwicklungspsychologie gewonnenen Ergebnisse zu ergänzen. Der Psychologie ist hier eine sehr schwierige, aber keineswegs unantastbare Aufgabe gestellt. Es gilt durch Zusammenfassen aller Methoden an den Juden jeden Alters, jedes Territoriums, jeder wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen Schichte Untersuchungen anzustellen, die klarstellen werden, einerseits in welchen elementaren oder komplexen psychischen Faktoren die unterschiedlichen Judentümer sich voneinander sondern, und andererseits was über das allgemein Menschliche hinaus, was als*) an jüdischem, sie untereinander gemeinsam haben — oder um es methodisch präziser zu sagen: Der psychologische Typus Jude wird festzustellen, seine Variationsbreite anzugeben und die Abhängigkeit der Variationen von individuellen und außerindividuellen Bedingungen zu erkennen sein. Zur Erkenntnis der gegenwärtigen Eigenart der Juden kommt die Frage ihrer Konstanz, der Art und der Bedingung ihres historischen Variierens. Was an jüdischer Geschichte, was an seelischem Ausdruck, was an Abbildungen jüdischer Menschen bis heute überkommen ist, das wird in diesem Zusammenhang zum Objekt der psychologischen Forschung werden müssen. Wir erhoffen uns von diesen Bemühungen klares Verständnis unseres Seins, unserer Vergangenheit und also deutlichen Willen zu unserer Zukunft. In knappen Sätzen habe ich bisher versucht, jene Zweige psychologischer Forschung zu nennen, deren Belebung und vorzügliche Bearbeitung von der gegenwärtigen Situation des Judentums verlangt wird. Und es zoigt sich klar, wie die Summe dieser Forschungen und ihrer Grundlagen und »Hilfswege einen eigenartigen „nationalen*'' Komplex bilden werden: die jüdische Psychologie. Aber im Judentum liegen auch Möglichkeiten, Anregungen zu gewissen Untersuchungen und Fragestellungen, die andere Kulturen nicht ganz ebenso geben. Und wenn es auch nicht mehr wirtschaftliche, politische und nationale Notwendigkeit ist, gerade diesen Fragen nachzugehen, sondern sie mehr Luxusuntersuchungen wären, so ist doch kein Zweifel, daß der jüdischen Psychologie Kraft genug bleiben wird, sich ihnen hinzugeben, und dies um so mehr, als bereits die hier erwähnten Forschungen allenthalben an sie stoßen mußten. Die Bemühungen, die psychologische Struktur des Juden zu erfassen, würden, ins Allgemeine gewendet, einen sehr beträchtlichen

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