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Neue jüdische Monatshefte · 1917-08-10 · Heft 21 (10.8.1917) · p. Seite 602

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 21 (10.8.1917)
Article
Die jüdische Wissenschaft und ihre psychologischen Aufgaben
Date
1917-08-10
Page
Seite 602 (sequence 4)
Language
German
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602 Umschichtung eine Veränderung des kulturellen Milieus, ja sogar der Wechsel der Wohnorte über Weltteile hin notwendig wird. Bei diesem Unternehmen dürfen wir uns nicht auf die sozialen Selbstregulationen verlassen, die naturgesetzlich eintreten, wo solche Umschichtungen die Folge organischer sozialer und kultureller Entwicklungen sind, denn, oberflächlich betrachtet, ist der Zionismus ein unorganisches Geschehen — er ist ein Unternehmen des bewußten Willons. Aber gerade darum bedarf er der bewußten Regulation. Und diese kann mir auf klarem Wissen, auf Erkonnen der Zusammenhänge und notwendigen Beziehungen sich aufbauen. Zur Kenntnis des sozialen Mechanismus, der wirtschaftlichen Dynamik solcher Vorgänge muß die der psychologischen Voraussetzungen treten. Welche seelischen Fähigkeiten, Vorgänge, Zustände und Einstellungen sind verbunden mit der landwirtschaftlichen Berufstätigkeit überhaupt ~— um ein Beispiel zu nehmen —, mit ihrer Ausübung unter verschiedenen Klimaten, in verschiedenen Landschaften, in den unterschiedlichen Betriebsformen, in ihren mannigfaltigen Zweigen; welche jener seelischen Faktoren müssen von vornherein mitgebracht werden, welche erzeugen sich nach kurzer Zeit, welche nach langer Zeit? In welches Lebensalter muß der Beginn dieser Berufstätigkeit fallen, damit am leichtesten und dauerndsten die unerläßlichen psychischen Voraussetzungen gegeben sind? Manche von allen diesen Fragen, von denon jede einzelne einen Komplex von Unterfragen darstellt, sind in populärer Form oft genug beantwortet worden. Wenn aber andere Nationen sich mit allgemeinen Annäherungen an die Wahrheit begnügen können, wenn ihnen selbst Entfernungen von ihr nicht schaden: wir müssen klare, eindeutige und sichere Antwort haben. Wir brauchen eine wissenschaftliche psychologische Beschreibung aller Berufe, die konstitutive Elemente der zukünftigen jüdischen Wirtschaft werden sollen, und zwar nicht dieser Berufe im allgemeinen, sondern des Aspektes, den sie unter den besonderen wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen und geophysischen Bedingungen der jüdischen Zentren und vor allem Palästinas annehmen. Diese Psychologie der Berufstätigkeit ist aber nur ein Teil des Problems, von dem die Rede ist. Der andere Teil fragt nach der Berufseignung der Juden. Was bringen die Juden an seelischen Fähigkeiten und Zuständen mit? Was ist in ihnen aktuell? Was ist latent in ihnen? und wie wäre es zu wecken? Wie unterscheiden sie sich nach Alter, Geschlecht, bisheriger sozialer, kultureller, territorialer Lage in allen hier in Betracht kommenden Belangen? Wie weit sind ihre Eigenschaften erblich, individuell konstant oder veränderbar? In welchem Alter sind sie noch zu verändern? mit welchen Mitteln? Alle diese Fragen sind von einschneidender Bedeutung für das Judentum und seine Zukunft. Psychotechnik ist der Name jener Disziplin der Psychologie, welche, zwar noch in den ersten Anfängen ihrer Entwicklung stehend, doch heute bereits ermutigende und hoffnungsvolle Erfolge zu verzeichnen hat. Sie wird die oben laienhaft formulierten Fragen zunächst wissenschaftlich zu formulieren und dann iii möglichster Annäherung zu beantworten haben. Während die bisherigen Versucho der Psychotechnik kapitalistischen Tendenzen dienst-

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