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Neue jüdische Monatshefte · 1917-07-25 · Heft 20 (25.7.1917) · p. Seite 573

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 20 (25.7.1917)
Article
Die Lage und die Hauptforderungen der Juden
Date
1917-07-25
Page
Seite 573 (sequence 3)
Language
German
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573 Nationalitäten Rechnung trägt und sie in ihren Staaten sich ausleben läßt, wenn in dieser Zeitepoche ein Volk in seine historische Heimat nur als Eindringling kommen, Grund und Boden nur durch Bestechung erwerben und kulturell sich nur durch Irreführung der Behörden betätigen darf. Das paßt nicht für die Türkei und widerspricht unserer Würde. Wir Juden wollen einen Teil der Emigration nach Palästina richten, wollen dort Grund und Boden anwerben, wollen uns dort als Arbeiter auf allen Gebieten betätigen, mit einem Worte, ein nationales Leben unter Anerkennung der Oberhoheit des türkischen Staates führen. Dafür müssen uns Garantien geboten werden. Die Frage der Einigration wird die brennendste nach dem Kriege sein. Es ist ein menschliches Postulat, daß den arbeitsfreudigen Juden, die auswandern werden, alle Länder der Kulturwelt sich erschließen. Wir verlangen daher, daß auch in dieser Hinsicht die Garantien geschaffen, daß den Juden keine Grenzen gesperrt werden. Wenn es ein Gebot der Humanität ist, Brot dem Hungrigen zu geben, so ist es ein noch dringenderes Gebot, Arbeitsgelegenheit den Arbeitsuchenden zu verschaffen. Da dürfen sich uns die überseeischen Länder nicht verschließen und noch weniger die europäischen Staaten, in denen wir Staatsbürger sind. In Deutschland gibt es eine Strömung, die dahin zielt, daß man die deutschen Staatsgrenzen für die Juden, die in den okkupierten Gebieten wohnen, versperrt. Es entstand eine ganze Literatur auf diesem Gebiete, eine Literatur, die weder Ehre den Schriftstellern, noch auch eventuell der Regierung bringen wird, wenn die Theorien zur Wahrheit werden sollten. Nicht dafür wurde so viel Menschenblut vergossen, nicht dafür sind Milliarden an Werten zugrunde gegangen, damit Kleinlichkeit und Engherzigkeit herrsche. Weitherzig und großzügig muß der Staat sein, der siegen wird. Und. triumphieren soll nicht nur sein Heer und seine Regierung: sein Stolz soll es sein, daß die Ideen der Menschlichkeit und Gerechtigkeit triumphieren. Bei. der Lösung der polnischen Frage dürfen die Forderungen der auf polnischem Gebiete wohnenden Juden nicht ungehört verhallen. Vom freiheitlichen Standpunkte und als g a 1 i - z i s c Ii e r Jude begrüße ich die K o n stituierung eines polnischen Staate s. Selbst auf nationalem Standpunkte fußend, würdige ich auch die berechtigten nationalen Bestrebungen der Polen, sowie anderer Nationalitäten, unbeschadet der strikten Forderung der Sicherung der nationalen Eigenart der Juden. Ebenso wie die Gleichberechtigung der Konfessionen die Hindernisse beseitigte, welche der freien Ausübung der jüdischen Religion sich entgegenstellten, muß eine solche Neuordnung der nationalen Frage erstrebt werden, die auch eine Gleichberechtigung der Nationen und speziell auch der jüdischen Nation gewährleistet.

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