Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1917-07-25 · Heft 20 (25.7.1917) · p. Seite 574

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 20 (25.7.1917)
Article
Die Lage und die Hauptforderungen der Juden
Date
1917-07-25
Page
Seite 574 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2908689-2908690-2908710-2909990--0932-2910013
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

574 Qui iure suo utitur, nemini facit iniuriam. Wir Juden tun nichts Unrechtes, wir wollen nichts anderes, als pares inter pares sein: Als geichberechtigtes Volk wollen wir die polnische Renaissancefördern. Denselben Anschauungen huldigen wir galizische Juden betreffs des österreichischen» Problems. Wir sind gute üsterreicher, für uns läuft das wohlverstandene jüdische Volksinteresse mit dem richtig erfaßten österreichischen Reich sintereasp parallel. Wir erhoffen vom Weltkriege nicht nur ein militfitärisch gekräftigtes, territorial vergrößertes Neuösterreich, sondern eine auf Grund der nationalen Autonomie seiner Reichsvölker völkerversöhnte und verjüngte Habsburger Monarchie, in der wir uns sowohl als Österreicher wie als Juden ganz und voll werden ausleben können. Judentum und Nationalismus 12 Thesen von Julius Bab, Berlin Vorbemerkung: Diese Thesen wollen nicht eine Debatte abschließen, sondern eröffnen. Ihre Kürze stammt also nicht aus. absprechender Unduldsamkeit, sondern aus dem Wunsch für die erwartete Besprechung möglichst klare und feste Grundlagen zu schaffen. Auch wo sich der Vortrag dieser Grundsätze etwa in Beispielen ausbreitet, will er einstweilen weniger Beweis als Erläuterung geben. I. §fe^jjfer Begriff des Nationalismus wird von dem allt IMwi gemeinen des Nationalgefühls ähnlich abgegrenzt S-Ü^C werden müssen, wie die Philosophie vom „Individualismus" den „Subjektivismus" abgrenzt, dessen reinste Konsequenz erkenntnistheoretisch als Solipsismus (bei Berkeley etwa), ethisch als Egoismus (Stirner etwa) bekannt ist. Während der Individualismus die Entfaltung der Persönlichkeit gelten läßt und fordert, weil und insoweit sich in ihr das Allgemein-Menschliche formt und belebt, setzt der Solipsist unter Leugnung des Allgemeinen die Ichentfaltung selbst als Sinn und Wert. Ähnlich wertet Nationalgefühl ein eigenes Volkstum als unentbehrlichen Durchgang zur Entfaltung der Menschheit, Nationalismus sieht in der Durchsetzung des Volkstums selber ein letztes Ziel. IL So selten wie wirklich vom Nationalgefühl gelöste, lediglich einer abstrakten Menschheit lobende Menschen, so selten hat es „rein e" Nationalisten gegeben, die auf den Menschheitsgedanken völlig und prinzipiell Verzicht leisten. (Auch die konsequenten Solipsisten bilden in d(3r Philosophie ja seltene Grenzfälle.) Der faktische Nationalismus erscheint vielmehr meist in der Form, daß die Entfaltung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.