Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 19 (10.7.1917)
- Article
- Zur Frage des siedlungsgenossenschaftlichen Experiments
- Date
- 1917-07-10
- Page
- Seite 564 (sequence 4)
- Language
- German
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564 engste mit dem Gedeihen der Haus- und Hofwirtschaft verknüpft werden, die einen integrierenden, nicht loszulösenden Hauptbestandteil der Landwirtschaft ausmacht. Daher müßte innerhalb der siedlungsgenossenschaftlichen Einrichtungen a priori die Möglichkeit gegeben sein, daß die jüdischen Frauen, so wie sie jetzt sind, ihren unersetzlichen Platz in ihnen einnehmen und mit und in denselben zu wirtschaftlich und sozial ebenso nützlichen Mitarbeitern an dem Siedlungsgedanken werden, wie die Männer. Damit dieses Ziel tatsächlich erreicht wird, sollte dafür gesorgt werden, daß auf dem Terrain der genossenschaftlichen Siedlung Familienbetrieben alle diejenigen Wirtschaftszweige überlassen werden, in denen die Frau, auch die nicht vom Landestammt, sich doch am schnellsten und besten zurechtfindet, wenn sie in direktem Anschluß an ihre Wohnung zu schalten und walten hat Sie wird nicht nur ihren Haushalt besorgen, sondern wird auch den Gemüsegarten, den Geflügelhof usw. in Ordnung zu erhalten lernen, wenn sie alle ihre Arbeiten um ihre Wohnung verrichten kann. Die Methoden, um den Frauen in der Genossenschaft haus- und landwirtschaftliche Kenntnisse (durch systematisch abzuhaltende praktische DemonstratiQnen, kurze periodische Kurse, Wanderlehrer usw.) beizubringen, bleiben die gleichen, ob gewisse Kulturen und Betriebszweige aus dem gemeinschaftlichen Zentralbetriebe ausgeschieden werden oder nicht. Doch die Verwertung dieser Kenntnisse wird eine unvergleichlich ergiebigere sein, wenn sie die verheiratete Frau und die Kinder in der Familienwirtschaft anzuwenden haben und nicht im Zentralhofe der Genossenschaft. Erzieherisch wird auf die Frau die Beschäftigung mit den an das Einzelhaus und an den Einzelhof sich anschließenden wichtigen landwirtschaftlichen Zweigen — mit dem Gemüsegarten, der Pflege des Nutzviehes und der Geflügelzucht — stärker einwirken, weil diese Zweige für die unablässige Sorgfalt^ die ihnen im Einzelgehöfte in höherem Grade zuteil werden kann, besonders dankbar sind. Die jüdische Frau hat in anderen jüdischen Kolonisationsgebieten — so in Nordwest- und Südrußland — absolut keinen Anlaß gegeben, um sie als Hemmnis für die landwirtschaftliche Seßhaftmachung jüdischer Ansiedler anzuklagen. Auch Palästina, wo den aus nördlichen Ländern kommenden Frauen die Akklimatisierung auf dem Lande etwas schwerer fällt als den Männern, wird in Bälde in großer Zahl brave, tüchtige, in jeder Beziehung ihren Männern gleichgewachsene Mitarbeiterinnen am Werke der nationalen Wiedergeburt auf nationaler Scholle aufweisen. Für die Entwicklung der Siedlungsgenossenschaft ist es somit m. E. unerläßlich, daß sie von vornherein durch die Anlegung von Einzelgehöften mit allem dazu erforderlichen Zubehör für die Familien der Genossenschafter dem Mitwirken der Frau den denkbar weitesten Spielraum gewährt.