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Neue jüdische Monatshefte · 1917-07-10 · Heft 19 (10.7.1917) · p. Seite 563

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 19 (10.7.1917)
Article
Zur Frage des siedlungsgenossenschaftlichen Experiments
Date
1917-07-10
Page
Seite 563 (sequence 3)
Language
German
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563 schaftlichen Baulichkeiten müssen ferner so ziemlich denselben Rauminhalt haben, ob sie zentralisiert angelegt oder auf die Einzelbetriebe verteilt sind. Und wenn beim toten und lebenden Arbeitsinventar die genossenschaftliche Arbeitsweise wohl Ersparnisse in der Anschaffung zuläßt, so sind solche so gut wie ausgeschlossen bei dem Nutzinventar, das den Bedürfnissen der Bevölkerungszahl der Siedlung entsprechen muß. Auch an dem Nutzvieh wird sich kaum viel absparen lassen, weil die gegebene Bodenfläche und ihre Produktionsfähigkeit in bezug auf Futtermittel diejenige Kopfzahl Kühe anzuschaffen gebietet, die rationellen Betriebserwägungen entspricht und ganz unabhängig davon bleibt, ob die Bewirtschaftungsweise eine genossenschaftliche, individuelle oder „mischformigeu ist. Schließlich kann in bezug auf die kommunalen Bedürfnisse (ärztliche Hilfe, Sehlde usw.) eine Verminderung der Spesen sicherlich nicht eintreten. Um eine zahlenmäßige Vorstellung über die Frage der Verbilligung der Anlagekosten zu geben, so wird an letzteren wahrscheinlich eine Ersparnis von etwa 10 Prozent zugunsten der genossenschaftlichen Siedlung zu erzielen sein, wenn sämtliche Anlagekosten einer Kolonie berücksichtigt werden. Selbstverständlich ist auch eine solche Verminderung der Ausgaben bei dem palästinesischen Kolonisationswerke, das die Investitution sehr hoher Summen erheischen wird, nicht zu mißachten. Und sobald sich durch Ausprobierung eine noch so geringe Verbilligung bei der Einrichtung neuer Kolonien als möglich erweisen wird, wird sicherlich diese Erfahrung benützt werden. Damit jedoch nicht bloß eine jedenfalls relativ geringe Herunterdrückung des einmaligen Anlagekontos, sondern auch eine ökonomisierung der stets wiederkehrenden Betriebsspesen, die für den wirtschaftlichen Erfolg der Siedlung viel mehr ins Gewicht fällt, eintreten kann, muß ein Weg gefunden werden, um sämtliche Arbeitskräfte einer aus Arbeiterelementen bestehenden Siedlung verwerten zu können. Wir kommen so auf die zweite, von Dr. Oppenheimer neulich in diesen Monatsheften angegebene Erwägung, warum er speziell für Palästina den genossenschaftlichen Großbetrieb empfohlen hat, der gegenwärtig als einzige, exklusive Betriebsform in Merhawiah — und auch in Daganiah — herrscht. W(eil die jüdische Bäuerin noch nicht existiert, sei, meint Dr. Oppenheimer, die Siedlungsgenossenschaft in Palästina zur großbetrieblichen Bewirtschaftungsform, „die die familienhafte Wirtschaft nicht gebraucht", gezwungen. Die bisher in Palästina formierten Arbeitergenossenschaften setzten sich fast ausschließlich aus unverheirateten Mitgliedern zusammen. Will man aber Siedllingsgenossenschaften ins Leben rufen, so dürfen sie auf diejenige Mit Wirkung der Frau von Anfang an. nicht verzichten, die eine landwirtschaftliche Bevölkerung nicht missen kann. Daher muß man auch in Palästina von Anfang an für die Schaffung solcher Verhältnisse sorgen, die die Familienbegründung innerhalb der Siedlung ermöglichen. Denn die Arbeit der Frau muß auch in genossenschaftlichen Siedlungen, ganz wie in einzelnen Kleinbetrieben, aufs

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