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Neue jüdische Monatshefte · 1917-07-10 · Heft 19 (10.7.1917) · p. Seite 562

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 19 (10.7.1917)
Article
Zur Frage des siedlungsgenossenschaftlichen Experiments
Date
1917-07-10
Page
Seite 562 (sequence 2)
Language
German
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562 ' sation in Palästina, sobald dazu günstige Möglichkeiten sich eröffnen werden, errichtet werden könnte. Wir wollen hier eben von den Erfahrungen sprechen und nicht von der Theorie, die gegenwärtig zur Diskussion nicht mehr steht. Zweifellos bieten einerseits die Pacht- und Ärbeitsgenossenschaf ten . in den oben erwähnten Ländern und andererseits die palästinensischen arbeitsgenossenschaftlichen Organisationen breite Verwendungsmöglichkeiten in dem der eigentlichen Kolonisation vorausgehenden Vorbereitungsstadium, das man bald als Okkupations-, bald richtiger als Aptierungsperiode bezeichnet Und von Seiten der palästinensischen Kolonisationsbewegung hieße es antisozial und unwirtschaftlich vorgehen zu wollen, wenn diese Möglichkeiten nicht weitgehendst ausgenützt werden sollten. Dies um so mehr, als den arbeitsgenossenschaftlichen Unternehmungen in den Augen des für die jüdische Ansiedlung in Palästina wertvollsten Elementes — der Arbeiterschaft — aus einer Reihe von Gründen eine ganz besondere Anziehungskraft innewohnt. Doch ist man wesentlich über den Nachweis der Verwendbarkeit dieser genossenschaftlichen Formen außerhalb der ersten „Aptierungsperiode" hinausgekommen? Wenn wir in die Situation gelangen, auf bedeutenden Bodenflächen ganze Reihen von bevölkerungsreichen Kolonien anlegen zu können —, werden dann Arbeiter-Produktivgenossenschaften für die Übernahme der großen Aufgabe, die eventuell aus nationalpolitischen Rücksichten sich nicht wird aufschieben lassen, bereits herangewachsen sein? Offenbar nicht, da ja' die genossenschaftliche Siedlung eben noch im Versuchsstadium sich befindet. Dr. Oppenheimer erinnert daran, daß er der zionistischen Bewegung die genossenschaftliche Siedlung als die billigste Methode empfohlen hat. Die in Palästina gemachten diesbezüglichen Erfahrungen haben den Beweis der Billigkeit wegen der Kürze der Versuchszeit noch nicht erbringen können. Welche Aussichten sind aber für die Erfüllung der Hoffnung, billig mit Hilfe der Siedlungsgenossenschaft in Palästina kolonisieren zu können, vorhanden? Wird die Siedlungsgenossenschaft das Aptierungsstadium hinter sich haben und wird sie an den den, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Erfordernissen entsprechenden Aufbau ihrer Kolonieeinrichtungen herantreten, so wird sie dann jedenfalls kaum mit nennenswert geringeren Beträgen auskommen als eine aus Einzelbetrieben bestehende Kolonie. Es ist klar, daß bei der Siedlungsgenossenschaft kein Ersparnis am Kaufpreise des Grund und Bodens sich machen läßt. Andererseits wird der Unterschied im Vergleich zu Einzelbetrieben (auf derselben Bodenfläche und für die gleiche Bevölkerungszahl) hinsichtlich der Ausgaben für notwendige Bodenameliorationen, Gebäude und Inventar ein beträchtlich geringerer sein, als man sich gemeiniglich vorstellen mag. Zunächst braucht die genossenschaftliche Siedlung für die einzelnen Familien die gleichen Wohnhäuser wie sonstige Kolonien. Die wirt-

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