Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 18 (25.6.1917)
- Article
- Sterblichkeit der Juden in Wilna in den letzten 5 1/2 Jahren (1911-1916)
- Date
- 1917-06-25
- Page
- Seite 532 (sequence 6)
- Language
- German
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532 von 487 gegenüber der Geburtenzahl auf. Die überraschende Erscheinung würde nur mit Hilfe einer genauen Ermittlungderjüdischcn Bevölkerungszahl für 1915 eine zureichende Erklärung finden können, die aber nicht vorliegt Eine gewisse Beleuchtung kann diese Erscheinung durch die Feststellung der Zahl der Eheschließungen für die letzten 5 Jahre erfahren. Das Jahr 1914 (389 Eheschließungen) weist bereits einen Rückgang der Eheschließungen gegenüber 1913 um 127 auf; 1915 — einen solchen um 276 — um mehr als die Hälfte. Bereits für die ersten vier Monate nach Kriegsausbruch war ein Rückgang der Eheschließungen um 82 gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahre 1913 festzustellen. Der Rückgang der Zahl der Eheschließungen kann nicht bloß durch den Umstand erklärt werden, daß eine große Zahl Männer im Heiratsalter zu den Fahnen gerufen wurde. — In jedem Falle zeugt die Differenz zwischen Geburtlichkeit und Sterblichkeit von den umwälzenden Wirkungen des Krieges auf die inneren Lebensverhältnisse der Judenheit Wilnas. Eine weitere Kommentierung der festgestellten Tatsachen erübrigt sich. Es gilt nun, die gewonnenen Ergebnisse zusammenfassend zu resümieren: 1. In den Kriegsjahren erfuhr die Sterblichkeitsquote der Juden Wilnas eine Steigerung. 1916 starben auf je 1000 Juden 34.57. (Früher — ca, 22,6.) 2. In der jüdischen Sterblichkeit tritt das übliche Sommermaximum nicht in Erscheinung. 3. Während die gesamte Sterbeziffer in den letzten Jahren eine Steigerung erfuhr, hatte die Kindersterblichkeit, sowohl die der Säuglinge wie auch bei Kindern bis 5 Jahren einen Rückgang aufzuweisen. 4. Von der Gesamtzahl der Sterbefälle in den Jahren 1911—-1916 entfallen auf die Kindersterblichkeit bis zu 1 Jahr durchschnittlich 18,3 Prozent, bis 5 Jahren — 29,7 Prozent. Dieses Prozentverhältnis sinkt von Jahr zu Jahr: bei Säuglingen von 22,9 bis 13,7 Prozent, bei Kindern bis 5 Jahren von 34,2 auf 28,7 Prozent. 5. Der Anteil der Säuglingssterblichkeit (Kinder bis zu einem Jahre) an der gesamten Kindersterblichkeit im Alter bis zu 5 Jahren betrug durchschnittlich 63,2 Prozent. 6. Infolge der großen Verschiedenheit bezüglich der Genauigkeit der Eintragung männlicher und weiblicher Geburten bei den Juden ist eine Feststellung des Prozent Verhältnisses zwischen männlichen und weiblichen Geburten bis auf weiteres nicht möglich. 7. Die unehelichen Goburten machen bei den Juden 1 Prozent von der Gesamtzahl der Geburten aus. 8. Die Kindersterblichkeit bei Juden ist auch im Verhältnis zu der Geburtenzahl eine relativ geringe: in den Friedensjahren kamen