Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 18 (25.6.1917)
- Article
- Sterblichkeit der Juden in Wilna in den letzten 5 1/2 Jahren (1911-1916)
- Date
- 1917-06-25
- Page
- Seite 531 (sequence 5)
- Language
- German
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531 um soviel. Demgegenüber weist 1915 einen geringeren Anteil der Totgeburten (5,5) auf, obgleich die absolute Ziffer höher als in den vorangegangenen Jahren ist — weil eben dieses Jahr eine höhere Gesamtsterbeziffer aufzuweisen hat. Von größerer Bedeutung ist die Feststellung des Verhältnisses zwischen Totgeburten (Knaben) und Lebendgeburten. In den letzten vier Friedensjahren machen die Totgeburten durchschnittlich 6,3 Prozent aus. Das Prozentverhältnis steigt von Jahr zu Jahr: von 5,8 auf 0,1 Prozent; im Kriegsjahr 1915 sogar auf 10,5 Prozent Obgleich die Zahl der Totgeburten auch an anderen Orten eine Steigerungstendenz an den Tag legt, so ist sie doch bei Juden niedriger als bei Xichtjuden. In Erwägung des Umstandes, daß die Totgeburtenziffer des ungünstigen Jahres 1915 die der anderen Jahre überstiegen hatte, nud daß, laut meinen eigenen Ermittlungen, das Prozentverhältnis der Totgeburten von etwa 13 Jahren (1901—1902) ein geringerer war (4,0—5,2) — muß die Steigrung der Totgeburtenziffer unter den Juden Wilnas als ein höchst unerfreuliches Omen betrachtet werden. Eine gewisse Charakteristik der Altersverhliltnisse gewährt nachstehende Aufstellung. Es wurden zürn Zwecke eines Vergleiches auch die Ermittlungen des Dr. Grusenberg für Gesamtrußland und meine eigenen für Wilna in den Jahren 1901 bis 1902 herangezogen. Aus dieser Tabelle ist zu ersehen, daß das Durchschnittsalter der Verstorbenen, sowohl der Kinder bis 5 Jahren wie der Kinder und Erwachsenen aufwärts, unter den Juden Wilnas ein höherer als bei den Nichtjudcn und in den letzten 5 Jahren eine Steigerimg gegenüber den letzten 10 Jahren erfuhr. VIII. Von Wichtigkeit ist die Feststellung des Verhältnisses zwischen Sterblichkeit und Gcburtlichkeit überhaupt, ohne Berücksiehtigunguder Zu- und Abwanderung. Sehen wir, ob die jüdische Bevölkerung in normalen Verhältnissen eine Vermehrung oder einen Rückgang erfahren hätte. (Wir beschränken uns auf Männer.) 1911 . . . 904 Geburten, 606 Sterbefälle, Differenz + 298 (32,9 %) 1912 ... 908 „ 641 „ - „ + 267 (29,4 „) 1913 ... 773 „ 568 + 205 (26,6 „) 1914 . . . 748 690 „ + 52 ( 6,9 „) 1915 ... 667 „ 1154 „ — 487 (73,0 „) In dieser Tabelle kommt ein betrübender Umstand zum Ausdruck: Die Differenz zwischen Geburtlichkeit und Sterblichkeit ist von 1911 ab im Rückgang begriffen. Dieser Rückgang ist in den ersten drei Jahren geringer Natur — von 298 auf 205. 1914 reduziert sich die Differenz bereits auf 52; 1915 weist bereits die Sterbeziffer ein Plus