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Neue jüdische Monatshefte · 1917-06-25 · Heft 18 (25.6.1917) · p. Seite 529

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 18 (25.6.1917)
Article
Sterblichkeit der Juden in Wilna in den letzten 5 1/2 Jahren (1911-1916)
Date
1917-06-25
Page
Seite 529 (sequence 3)
Language
German
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529 merkwürdiges Mißverhältnis zwischen der Gesamtzahl der Knabcn- und M-ädchengeburten auf. Es ergeben die Register des Wilnaer Rabbiners für die Jahre 1903—1912 im Durchschnitt 1026 Knabenauf 52t Mädchengebuiten (bzw. 196 :100). Fast das gleiche Bild zeigen die Ergebnisse der Matrikelregister in Wilna in den letzten Jahren (Rabbiner Rubinstein). Es wurden 1911—1915 an Geburten registriert insgesamt 4000 Knaben auf 2570 Mädchen (bzw. 156 :100). Daß die Mädchenzahlen der Wirklichkeit nicht entsprechen, braucht nicht erst hervorgehoben zu werden. Der Knabenüberschuß übersteigt kaum 2—4 Prozent. Er dürfte bei den Juden um 2—3 Prozent höher sein. In Wien wurden 1901—1910 auf je 100 jüdische Geburten 51.43 Knaben und 48,57 Mädchen verzeichnet3). Das „Mißverhältnis" in den Registern wird vielmehr einfach durch den Umstand zu erklären sein, daß die Registrierung der Knaben mit viel größerer Genauigkeit vor sich zu gehen pflegt, als die der Mädchen. Die ersten werden nämlich durch die die Circumcision vornehmenden Mohalim zur Meldung gebracht, während die Eltern mit der Eintragung der Mädchen es nicht allzu genau nehmen. Die Zahl der registrierten Mädchen ist denn auch in fortwährender Zunahme begriffen. Im Jahrzehnt 1893—1902 kommen auf 100 Mädchen 196 Knaben/in den letzten fünf Jahren — 156. Bis 1900 pflegten, nach einer Mitteilung des vetstorbenen Wdlnaer Rabbiners Nomser, die Eltern Mädchengeburten überhaupt nicht zur Anmeldung zu bringen. Dieser eigenartige Umstand kommt auch im Geschlcchtsverhältnis der unehelichen Geburt e n zum Ausdruck. Uneheliche Geburten wurden in Wilna in den Jahren 1911—1914 insgesamt 37 Knaben und 2 Mädchen registriert. Es kämen also 1850 Knaben auf 100 Mädchen, was natürlich ein Nonsens wäre. Tatsächlich aber werden die unehelichen Knaben, die beschnitten werden, registriert, die unehelichen Mädchen aber fast gar nicht. Eben aus diesem Grunde ist es übrigens überhaupt unmöglich, die Gesamtzahl der unehelichen Geburten bei Juden zu bestimmen. Jedenfalls dürfte diese Zahl eine weit geringere sein als bei Nichtjudcn. Uns auf die Knabengeburten beschränkend, ersehen wir, daß in den vier Jahren 1911—1914 von den 3333 legitimen Geburten 37 uneheliche waren wenig über 1 Prozent In Berlin kommen 1914 auf 3163 lebende Kinder 653 uneheliche 20,64 Prozent; 1915 auf « 2247—488 uneheliche Geburten 21,71 Prozent („Berliner Tageblatt1' 1916, Nr. 69). Die Tatsache der häufigen Nachlässigkeit in bezug auf die Anmeldung der Mädchengeburten findet auch in den Matrikelbüchern für die ersten sechs Monate 1916 ihre Bestätigung. Es wurden in diesem Zeitraum registriert: 223 Knaben auf 240 Mädchen (93 :100). Es geht daraus deutlich hervor, daß wenn die Eltern ihre gewichtigen. Gründe dazu haben, die Mädchengeburten pünktlich zur Meldung 3) Horator, „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden". (Januar 1914).

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