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Neue jüdische Monatshefte · 1917-06-25 · Heft 18 (25.6.1917) · p. Seite 528

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 18 (25.6.1917)
Article
Sterblichkeit der Juden in Wilna in den letzten 5 1/2 Jahren (1911-1916)
Date
1917-06-25
Page
Seite 528 (sequence 2)
Language
German
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525 Mithin entfallen 29,7 Prozent sämtlicher Sterbefälle im: Laufe der 5 Jahre auf Kinder im Alter unter 5 Jahren: Angesichts der überaus ungünstigen Lebensbedingungen und der schlechten wirtschaftlichen und hygienischen Lage, in der die Mehrheit der Wilnaer Juden sich befindet, muß dieser Prozentsatz als mäßig bezeichnet werden. Für Gesamtraßland fällt über die Hälfte der Sterbefälle auf die Kinder- Sterblichkeit im genannten Alter. In den 10 Jahren 1898—1912 betrug unter den Juden Wilnas die Kindersterblichkeit durchschnittlich 40,4 Prozent der Gesamtzahl der Sterbefäile. Aus den Ermittlungen ergibt sich, daß die relativ niedrige Kindersterblichkeit unter den Juden Wilnas hauptsächlich auf die geringe Sterblichkeitsquoto der Säuglinge, d. h. von Kindorn im Alter bis zu einem Jahre zurückzuführen ist. In Kußland erreicht die Säuglingssterblichkeit 42 Prozent der gesamten Mortalitätsziffer, wie es Dr. Kudriawzew namentlich für das Gouvernement Sisran festgestellt hat. Die Ursachen der relativ geringen Kindersterblichkeit unter den Juden haben längst eine Aufklärung gefunden. Es ist dies eine höhere Immunität der alten Rasse gegenüber mannigfachen Krankheiten, die durch die Religion gewahrte Reinheit des Familienlebens und der allgemeinen Geschlechtssitten. Auch die ärmste jüdische Mutter läßt es sich nicht nehmen, das Kind selbst zu stillen. Hinzu kommt eine geringere Verbreitung von Syphilis und Alkoholismus. Von nicht geringer Bedeutung ist die sprichwörtliche Kinderliebe in den ärmsten jüdischen Bevölkerungsschichten und die ebenfalls sprichwörtliche häufige Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe. Eine günstige Wirkung ist auch der geringeren Zahl der unehelichen Geburten bei den Juden zuzusehreiben. Die Sterblichkeit der unehelichen ist eine höhere als die der ehelichen Kinder. Geben wir uns aber keiner angenehmen Selbsttäuschung hin. Die relativ geringere Säuglingssterblichkeit der Juden wird durch die meist höhere Sterblichkeit jüdischer Kinder im Alter von über einem Jahre — 11,4 der Gesamtzahl der Sterbefälle — zu unseren Ungunsten kompensiert. Indem wir das Leben der Säuglinge verlängern, steigern wir dadurch sozusagen die Sterblichkeit der heranwachsenden Kinder. Es darf aber auch nicht außer acht gelassen werden, daß die Kleinkinder der armen jüdischen Massen vielfach schwach, gebrechlich und verkrüppelt aufwachsen. Über 90 Prozent ihrer fallen der Tuberkulose und der „englischen Krankheit'* anheim. V. Wir wollen nunmehr zur Feststellung des Prozentverhältnisses der Kindersterblichkeit zur -Geburtlichkeit schreiten. Hier stoßen wir nun auf einen irreführenden Umstand, dem schon manche jüdische Statistiker zum Opfer gefallen sind. Die M a t r i k e 1 b ü c h e r der Rabbiner nämlich, die Hauptquelle für bezügliche Ermittlungen, weisen ein

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