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Neue jüdische Monatshefte · 1917-06-25 · Heft 18 (25.6.1917) · p. Seite 525

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 18 (25.6.1917)
Article
Judentum und Islam in Vergangenheit und Zukunft
Date
1917-06-25
Page
Seite 525 (sequence 4)
Language
German
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525 sperrten und nicht gegen seine weltliche Macht, konnte Mohammed, dessen Stolz und dessen Hoheit in seinem Prophetentum wurzelte, ihnen nicht verzeihen. Als er erst einmal erkannt hatte, daß, trotzdem er manche seiner Lehren den Juden mundgerecht zugeschnitten hatte — trotzdem er glaubte, daß in einer Welt, die Gott nicht richtig sah, nur die zwei Religionen miteinander gehen könnten, die ihn einig und unteilbar sahen —, daß trotz all' dieses die Juden hart und unbeugsam blieben und ihm nicht zu Willen waren, da wurde er ihr unversöhnlicher Feind. Er sah und nannte da plötzlich allo Fehler, die dem Judentum anhafteten, und konnte keinem Juden, der in seinem Machtbereich lebte, die übermäßige Wahrung des eigenen Vorteils verzeihen — um nur ein Beispiel anzuführen. Es vollzog sich hier das oft gesehene Schauspiel, daß dort die tiefste Unversöhnlichkeit herrscht, wo eine Gleichheit des Empfindens waltet, eine Gemeinsamkeit der Anschauungen und eine Verwandtschaft des Geistes. Von dem Zeitpunkt ab, wo Mohammed in Medina die letzten der angesehenen Judengeschlechter mit unnachsichtlicher Härte vertreiben ließ, von diesem Augenblick an ist eine Kluft gegraben zwischen Islam und Judentum, die sich niemals schließen wird. Schon damals stand Mohammed dem Christentum mit einer gewissen wohlwollenden Nichtachtung gegenüber, wie es auch heute noch der gesamte Islam tut. Die schon vorhin erwähnte Teilung des Gottesbegriffs ist dem Moslim eine Herabsetzung des Höchsten, und diejenige Konfession, die ihm huldigt, setzt sich selbst herab; doch ist dieses ja nicht zu ändern, und man muß die Leutchen eben glauben lassen was sie wollen, ohne sich mit ihren Ansichten irgend weiter einzulassen. Es ist eine Anschauung, wie sie Kindern gegenüber angebracht wäre. Ebenbürtig seinem Gottesgedanken sieht der Moslim nur den Israels an, wenn er auch die Härte, die der Gott der Juden ausstrahlt, nicht gutheißt. Aber eben weil die Nähe eine so große ist, ist auch das Bewußtsein der Entfernung so unausfüllbar. Auch jetzt noch sieht der Islam im Judentum das ihm natürlich nächststehende Fühlen zu Gott und auch heute noch empfindet er die gleiche gewaltsame zerreißende Entfernung der Trennung, wie sio der Frophet in die Tat umsetzte. Daß dieser Haß jemals schon in Gewaltsamkeiten ausgeartet wäre, ist mir nicht bekannt; er äußerte sich nicht in Handlungen — er ist mehr ein dunkles schwelendes Etwas, aus dorn Urgrund der Zeiten und der Entwicklungsnotwendigkeiten entstanden und unverlöschlich wie der Glaube selbst, der diese beiden Seelengemeinschaften leitet. Der Jude führt ein Leben unter der Herrschaft des Islam im Orient, das ihm gestattet, allen seinen Neigungen nachzugehen, ob dieselben nun religiöser oder weltlicher Art seien; es wird ihm nie Verachtung gezeigt oder auch Erschwerung irgendwelcher Art entgegengestellt. Aber der Haß ist da. Er lebt zu tiefst in den Seelen, oft kaum bewußt — und kommt auch nur der geringste Anlaß, so bricht er hervor.

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