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Neue jüdische Monatshefte · 1917-06-25 · Heft 18 (25.6.1917) · p. Seite 524

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 18 (25.6.1917)
Article
Judentum und Islam in Vergangenheit und Zukunft
Date
1917-06-25
Page
Seite 524 (sequence 3)
Language
German
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524 Mohammed muß wohl allmählich aus seinem transzendentalen Rausche erwacht sein und begriffen haben, welche Macht Über die Gemüter er besaß; da meldete sich das Genie des Organisators in ihm und er begann zu erwägen, wie er die geweckten Kräfte nützen könne. Zuerst erschien ihm als besonders wichtig eine Vereinigung mit den Juden. Man wolle bemerken, wie im Koran, sowohl in den frühen als auch noch in den späteren, trockneren, wiederholenderen Suren immer wieder auf die Erzväter hingewiesen wird; auf die Einigkeit des Gottes Israels, auf die Wahrheit aller jener Religionen, die Gott allein anbeten. Nun ist es ja zwar mit dem Koran ebenso wie mit den meisten Büchern der Glaubenssätze eines Propheten, daß sie erst nach seinem Tode — oft viele Jahre später — geschrieben werden; aber es ist doch aus den zahlreichen Überlieferungen im Vereine mit defm Koran ein gemeinsames Ettvas heraus zu hören, das die Richtschnur des Ganzen anzeigt. Für mich besteht kein Zweifel, daß Mohammed, kaum daß er sich bewußt wurde, wie weit seine Macht bei kluger Ausnützung zu reichen imstande sei, einen engen Anschluß an das Judentum anstrebte. Er äußert oft,'daß, wenn auch die Christen den gleichen Gott in einer schönen Form anbeten, sie doch diesen Gott schmälern, indem sie ihn teilen. Gott könne nur, Einer sein, und wer das nicht erkenne, wisse nichts von Gott. Auch könne Gott nicht gezeugt sein, noch zeugen — das hieße seine Göttlichkeit herabsetzen. Der Gott Israels* aber sei der gleiche wie der, den er, der Prophet, verkündo —• einig und unteilbar. Die entscheidende Epoche im Leben Mohammeds war die seiner sogenannten Flucht nach Medina, der Hedschra; es war dieses nämlich gar keine Flucht. Es war nur eine meisterhaft vorbereitete Gründung eines Hauptquartiers, wenn man sich so ausdrücken darf. Mohammed hatte damals so viele Anhänger gefunden, daß er es wagen durfte, diese seine Anhänger zu einer wehrfähigen Kraft auszugestalten; den Boden in Medina hatte er sorgfältig vorbereiten lassen und er glaubte vor allem die dort lebenden Juden, die zum Teil sehr reich und einflußvoll waren, für sich zu gewinnen. Diese seine Hoffnung trog ihn. Die Juden waren zu keinen Kompromissen bereit und lieben es auf das Äußerste ankommen. Wenn er auch predigte, daß ihr Gott der gleiche sei, sie erkannten den neuen Propheten nicht an und unterschätzten seine Macht bei weitem. Von dieser seiner Macht gab er ihnen jedoch bald eine Kraftprobe, indem es ihm schon nach drei Jahren gelang, eine disziplinierte Menge, aus Arabern zusammengestellte Wehrkraft gegen die Mekkaner zu führen. Was nun Disziplin Arabern gegenüber heißen will, das vermag nur der zu beurteilen, der dieses zügellose Volk kennt, dem der Waffenruhm das heiligste ist, und auch der nur rein persönlich, niemals zum Nutzen der Allgemeinheit, Der organisatorischen Gewalt Mohammeds gelang dieses Wunder , der Dienstbarmachung Arabiens — gewiß nicht seiner Überzeugungsmöglichkeit in religiösen Dingen. Aber eben gegen diese religiösen Dinge sperrten sich die Juden; und weil sie sich dagegen

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