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Neue jüdische Monatshefte · 1917-06-10 · Heft 17 (10.6.1917) · p. Seite 501

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 17 (10.6.1917)
Article
Jüdischer Nationalismus
Date
1917-06-10
Page
Seite 501 (sequence 4)
Language
German
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501 allen Ländern Westeuropas, mögen sie ihre nationale Eigenart mit noch so großem Nachdrucke betonen, zum großen Teil voll, zum kleinen Teil viel weiter und tiefer assimiliert sind, als sie sich selbst und andorcn eingestehen wollen", wenn er weiter bemorkt^ daß, „was sie zusammenhält, in der Tat kaum mehr als das Band der Religion ist, daß das Gefühl der Absperrung sie noch nicht zu einer Nationalität im heutigen Sinne des Wortes macht", so ist dies ein Kronzeuge, der damit cbonso recht hat, als wenn er unter dem Begriff „nationale" Gruppe eine „soziale" Gruppe bezeichnet, die „durch den Kitt gemeinsamen Interesses an der Sprache und ihrer Kultur zusammengehalten wird14. Dieser Kitt, so sagt Oppenheimer ausdrücklich weiter, „existiert für die Juden Westeuropas nicht, .... man könne eine jüdische Matrik in Westeuropa ruhig eröffnen, sie würde so gut wie leer und der so geschaffene Personal verband lächerlich ohnmächtig bleiben". Die Kernfrage bleibt, ob gerade die jüdischen Massen des Ostens, die allein für die Nationsbildung in Frage kommen, selbstbeivoller freier Entfaltungsmöglichkeit ein nationales Judentum wollen und wollen können. Beides darf bestritten werden, da alle zur nationalen Bildung erforderlichen Elemente, vor allem der Bauernstand, ohne dessen Reservoir sich keine Nation erhalten und ergänzen konnte, fehlen. Dabei wollen wir gar nicht soweit gehen, wie Herzl, der („Zionistische Schriften", S. CO) schreibt: „Wer die Juden zu Ackerbauern machen will, der ist in einem wunderlichen Irrtum begriffen". Mit der Rettung der „Bücher" konnte eine Gemeinschaft wohl ihren Bestand erhalten, mußte aber damit zu jener „untätigen" Karrikatur einer Nation werden, wie sie Melamed in seiner „Psychologie des jüdischen Geistes" uns treffend vor Augen führt. „Das rechte Wissen vollendet sich, indem es aufhört, Wissen zu sein, und* wieder ein einfacher menschlicher Trieb wird der Wille" (Max Stirner). Und dieser „Wille14 fehlt und muß fehlen, wie jeder Kenner des Judentums bestätigen muß, Nicht mit der Bibel, nur weil sie als Bauern fortleben wollten, konnten die emigrierenden holländischen Buren ihren Staat gründen und fortleben. Eine rein auf geistig-verkriippeltem Boden existierende unfreie Gemeinschaft — wie es derzeit, die jüdischen Massen des Ostens sind — ist kein „Volk". Der Wegfall des russischen Druckes, die Neugestaltung des Lebens der russischen Nationalitäten, die Ausschaltung Palästinas und die Tatsache, daß die Juden in diesem Weltkriege gerade als Juden ihre liebe zur Heimat überall voll erwiesen haben, all dies muß auch dort zur vollen Einbürgerung führen, wo es bisher nicht der Fall gewesen ist. Um so unlogischer ist es daher, wenn es in einer der letzten Kundgebungen der Zionistischen Organisation heißt: „Das stärkste Ghetto, das die jüdische Geschichte kennt, ist gefallon, das jüdischo Volk ist frei", — und unmittelbar daran anknüpfend „zur nationalen Wiedergeburt im Lande Israel" aufgerufen wird. Herzl wäre der erste gewesen, der sich in diesem Weltkrieg laut als Deutscher bekannt hätte. Und unbekümmert um Inkonsequenz hätte er darauf ver-

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