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Neue jüdische Monatshefte · 1917-05-10 · Heft 15-16 (10.5.1917) · p. Seite 465

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 15-16 (10.5.1917)
Article
Schmilik
Date
1917-05-10
Page
Seite 465 (sequence 3)
Language
German
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465 „Geht nach Hause% sagte ihnen Schmilik, „es gibt keinen Ukas, daß man die Juden morden und plündern darf." Die Bauern hörten seine Worte, blieben aber noch unentschlossen stehen und kratzten sich die Nacken. „Geht nach Hause!" sagte ihnen Schmilik noch einmal. „Was kratzt ihr euch?" Die Bauern standen noch eine Weile da, erklärten aber schließlich Schmilik, er solle für sich keine Angst haben ... Schmilik hörte sie an und sagte, daß er für sich auch so keine Angst habe . . . Darauf sagten ihm die Bauern, er solle auch für seinen Vater keine Angst haben . . . Darauf sagte ihnen Schmilik, daß er auch für seinen Vater keine Angst habe. Es kostete Schmilik große Mühe, sie davon zu überzeugen, daß es keinen Ukas gäbe, nach dem man drei Tage hintereinander die Juden schlagen dürfe. Die Bauern gingen nach Hause, kamen aber bald wieder und baten Schmilik, er möchte ihnen erklären, was in der Welt vorgeht, was eine Konstitution sei und wieviel Land ein jeder von ihnen zugeteilt bekommen werde. Und Schmilik erklärte ihnen, was in der Welt vorgeht, was die Konstitution sei und wieviel Land ein jeder von ihnen zugeteilt bekommen werde. Und Schmilik hat keine Angst mehr vor einem Pogrom, weder in seinem Dorf, noch in den 50 Dörfern ringsherum. Schmilik ist auf der Hut, und wenn fremde Bauern aus fremden Dörfern kommen, um einen Judenpogrom zu veranstalten, so wird man ihnen die Köpfe blutig schlagen und sie dorthin jagen, wo der schwarze Pfeffer wächst. Wie wäre auch ein Pogrom ohne Schmilik möglich? Nicht nur ein Judenpogrom, auch ein Pogrom gegen die Gutsbesitzer ist ohne Schmiliks Einwilligung undenkbar. Wenn Schmilik sich nicht ins Zeug gelegt hätte, so hätten die Bauern schon längst die Gutsbesitzer überfallen und mit ihnen abgerechnet. Schmilik hält sie aber davon ab und sagt ihnen, daß Rauben und Morden, Brennen und Schlachten unvernünftig sei und daß sie damit nichts erreichen werden. Schmilik sagt ihnen, daß sie noch warten sollen. Sie sollen warten bis zum Frühjahr, wenn die Natur aufersteht, wenn die Erde erwacht, ihre weiße Bettdecke von sich wirft, und bittet, daß man sie bestellt; — dann sollen sich die Gutsbesitzer selbst bemühen, sie sollen nur selbst die Felder bestellen, selbst pflügen, säen, mähen, binden, das Getreide einbringen, dreschen, mahlen, Teig

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