Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 15-16 (10.5.1917)
- Article
- Schmilik
- Date
- 1917-05-10
- Page
- Seite 464 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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464 drückt, und weiß, was Iwan kann, was Iwan nicht kann und was Iwan könnte, wenn Iwan wollte. ... Und da Schmilik immerhin Naftalis und nicht Iwans Sohn ist, so kann er beten und russisch wie jüdisch lesen und schreiben; und da er Naftalis und. nicht Iwans Sohn ist, so liest er täglich die Zeitung und weiß, was in der Zeitung über den Krieg, den Frieden, die Streiks, Aufstände, Manifeste, Pogrome und andere schöne Sachen steht, die in unserem gesegneten Lande vorgehen. Schmilik teilt alles, was er gelesen hat, den Bauern mit. Denn die Bauern verstehen, nebbich, nicht zu lesen, wollen aber gerne wissen, was in der Welt vorgeht; sie lechzen danach, wissen aber gar nichts; und selbst das, was sie wissen, wissen sie nur stückweise und von einer Seite wie kleine Kinder oder Wilde. „Ihr seid ein finsteres Volk", sagt ihnen Schmilik. „Ihr wißt gar nichts." „Es ist wahr", antworten die Bauern. „Wir sind ein finsteres Volk und wissen gar nichts." Und da sie ein finsteres Volk sind und gar nichts wissen, aber gern alles wissen wollen, so bitten sie Schmilik, daß er ihnen die Zeitung vorliest und alles erklärt. „Erzähle uns doch, Schmilik", bitten sie ihn, „was die Gelehrten schreiben, was die Klugen sagen." Und Schmilik ist nicht faul; er setzt sich zu ihnen auf die Erde und liest ihnen vor, was die Gelehrten schreiben und was die Klugen sagen. Und die Bauern hören ihm zu, starren ihm in den Mund und glauben ihm jedes Wort. Sie glauben nur ihm allein und sonst niemand. Und wenn sie etwas hören, was sie nicht verstehen, so fragen sie Schmilik. Und wenn man ihnen etwas Neues erzählt, so glauben sie nicht und wenden sich an Schmilik. In allen Fällen wenden sie sich an Schmilik. Man kennt Schmilik nicht nur in dem einen Dorf, wo seine Eltern wohnen, sondern in der ganzen Gegend, in 50 Dörfern ringsherum. Groß ist Schmiliks Name! * * * Als die Nachricht eintraf, daß man in allen großen Städten die Juden schlägt, kamen die Bauern von allen 50 Dörfern zu Schmilik und baten ihn, er möchte ihnen den kaiserlichen Ukas vorlesen, durch den es den Bauern erlaubt wird, die Juden drei Tage hintereinander zu morden und zu plündern.