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Neue jüdische Monatshefte · 1917-05-10 · Heft 15-16 (10.5.1917) · p. Seite 463

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 15-16 (10.5.1917)
Article
Schmilik
Date
1917-05-10
Page
Seite 463 (sequence 1)
Language
German
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463 Schm ilik von 5ch o 1 cm Alcjchcm Dculsdi von Alexander Eliasberg chmilik ist kein erdachter Name, und das, was ich euch erzählen will, keine Legende. Schmilik ist ein wirklich existierender Mensch, lebt in unserer Gegend, und ich kenne ihn! Ein Bursche von 17 Jahren, ein einfacher Junge, ein Dorfjunge von einer Eisenbahnstatton. Sein Vater — er heißt Naftali, und die Bauern nennen ihn Pantelej — wohnt bei der Station und lebt von der Eisenbahn; und da er hier seit mehr als 30 Jahren lebt und sich in dem Dorfe noch vor den Judenverfolgungen des Grafen Ignatjew niedergelassen hat, so hört er auf alle Minister und ihre Zirkulare wie der Bösewicht Haman auf die „Grager"1); vom Pristaw und Revieraufseher schon gar nicht zu reden. Gar viele Pristaws und Revieraufseher haben sich hier seit der Zeit abgelöst; ein jeder von ihnen ließ sich Naftalis Papiere zeigen und hatte große Lust, den Juden aus dem Dorfe zu jagen. Es half ihnen aber wie der vorjährige Schnee. Naftali pflegte ihnen ganz offen zu erklären: „Ich habe schon mehr als einen Pristaw und Revieraufseher überlebt; eher werde ich euch von hier ausräuchern als ihr mich." Und er behielt jedesmal recht, denn wie der Pristaw, so auch der Revieraufseher gingen nach kurzer Zeit zugrunde, und zwar an unheilbarer Liebe. Ihre Liebe war ungeheuer groß, hatte keine Grenzen und bezog sich auf zwei Dinge: auf einen Rubel und einen Schluck Branntwein. Und es ist schwer zu sagen, was sie eigentlich lieber hatten, den Rubel oder den Schluck Branntwein. Ich fürchte, daß sie in dieser Hinsicht einem kleinen Kinde glichen, welches gefragt wird: „Wen hast du lieber — den Vater oder die Mutter?" Sollen aber beide, wie der Pristaw so auch der Revieraufseher in die Erde versinken, Wir kehren wieder zu Naftali und seinem Sohn Schmilik zurück. Da Schmilik unter Bauern geboren, erzogen und aufgewachsen ist, so redet er wie ein Goj, kleidet sich wie ein Goj, lebt wie ein Goj, denkt wie ein Goj und kümmert sich nur um gojische Interessen, Er weiß ganz genau, was Iwan will, was Iwan hat und was Iwan fehlt; er fühlt, wo Iwan der Schuh 3) „Grager"-Knarre, mit der am Purim Haman „geschlagen" wird.

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