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Neue jüdische Monatshefte · 1917-05-10 · Heft 15-16 (10.5.1917) · p. Seite 458

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 15-16 (10.5.1917)
Article
Die Emanzipation der Juden in Rußland
Date
1917-05-10
Page
Seite 458 (sequence 6)
Language
German
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458 gelangen. Es will scheinen, daß die Abreise der Mehrheit der Mitglieder der einstweiligen Regierung ins Hauptquartier, die Aktion verzögern wird . . . Aber nach den Äußerungen des Premierministers wird dieser Erlaß in allernächster Zeit Gesetzeskraft erlangen." Damit ist die Vorgeschichte der Judenemanzipation in Rußland erschöpft Am 3. April wurde das Emanzipationsedikt in aller Form erlassen. -) Ein Aufjauchzen ging durch die Völker. Die Erbschmach Rußlands war abgewälzt, ausgelöscht das Mal der Willkür und des Mutwillens. „Heute ist führwahr ein Festtag der Revolution. Heute erlangte eine ihrer bedeutsamsten Errungenschaften greifbare Gestalt und staatsrechtliche Sicherung. Zu diesem bedeutendsten Siege der Freiheit beglückwünschen wir das russische Volk und die einstweilige Regierung." (Leitartikel des Kerenskischen „Djen" vom 21. Miirz.) „Durch dieses Edikt wurde dem alten Regime der giftigste Zahn gezogen. Von heute an wird die Gleichberechtigung der Völker Rußlands zum grundlegenden Prinzip der weiteren Entwicklung des demokratischen Rußlands." (Leitartikel der „Arbeiter-Zeitung" vom gleichen Tage.) Und das Kadetten-; blatt „Rjetseh": „Nicht allein das jüdische Volk, der gesamte russische Staat atmet heute frei auf im Bewußtsein der Befreiung von dem Übcr- | rest des Mittelalters, der auf das ganze Staatswesen Rußlands seinen | zersetzenden Einfluß ausübte . . . Das jüdische Volk seufzte unter dem | Druck dieser unerhörten Verfolgungen, brach aber nie zusammen . . . I An Stelle der alten, geduckten und feigen Masse steht heute eine Nation vor uns mit einem fein ausgeprägten Gefühl der Selbstachtung, mit einein unwiderstehlichen Willen zur Freiheit und nationalen Selbstbehauptung . . . Mehr aber als das jüdische Volk litt unter diesen nationalen Verfolgungen der russische Staat, der durch sie der Willkür ausgeliefert wurde . , . Wohl soll man es nicht verhehlen, daß mit einem Federstrich all die vom alten Regime aufgehäuften Überlieferungen nicht aus der Welt zu schaffen sind. Allein gerade deswegen war es unumgänglich nötig, diesen Schritt heute und nicht (morgen zu machen . . , Wenn die Zeit für ein ruhiges Zusammenleben kommen wird, wollen wir alle mit aller Kraft danach streben, den Haß und das gegenseitige Mißtrauen zu vergessen, diese Giftsaat des alten Regime." Die Juden Rußlands waren frei. Das jüdische Volk in Rußland rüstete sieh zum Kampf um die nationale Zukunft. 2, Ausblicke Aus der aufgewühlten Flut des welthistorischen Geschehens steigt ein strahlendes Zukunftsbild ans helle Tageslicht, Erlösung kündet es von Fesseln des Geistes und des Leibes, Wiedergeburt des abendländischen Menschentums und Heil der Völker. Am 21. Dezember des Jahres 1789 legte der Führer der Liberalen und Verfechter der Gleichberechtigung der Juden, Clermont Tonnerre, der Nationalversammlung folgenden Antrag vor: „Es dürfe niemand% wegen seines Berufes oder seines Glaubens in dem Genuß der Bürger- 2) Siehe Heft 14 der „Neuen Jüdischen Monatshefte" Seite 422.

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