Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 15-16 (10.5.1917)
- Article
- Die Emanzipation der Juden in Rußland
- Date
- 1917-05-10
- Page
- Seite 455 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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455 Am 16. März erläßt das „Zentralkomitee der Zionistischen Organisation in Rußland'4 ein Aufruf „an die Zionisten", in dem es seiner Freude über den Gang der .Revolution Ausdruck gibt und das auf der russischen Zionistenkonferenz in Helsingfors im Mai 1906 gefaßte Programm der nationalen Forderungen in Rußland neAi verkündet. Die Zionisten mögen das Befreiungswerk Rußlands nach Kräften unterstützen und im freien Rußland die historische Aufgabe der Organisation und Wiedergeburt der jüdischen Nation erfüllen. Am gleichen Tage hielt der sämtliche jüdischen Gesellschaften und Institutionen (die jüdische Kriegshilfsorganisation, die Gesellschaft für Handwerk und Landarbeit, die Hygienische Gesellschaft, die Bildungsgesellschaft, das Vereinigte jüdische Studentenkomitee u. a.) umfassende „Jüdische Vereinigte Ausschuß" zu Moskau eine öffentliche Versammlung ab, in der ein BegrüßungstelegTamm an die einstweilige Regierung und an den „Rat der Arbeiter und Soldaten" abgesandt wurde. Kundgebungen ähnlicher Art wurden an diesem Tage von der jüdischen Gemeinde in Petersburg und Moskau veranstaltet. Am 17. März wurde auf Anregung des „Vereinigten Jüdischen Studentenausschusses" eine gemeinsame Konferenz der Vertreter sämtlicher nationaler Organisationen zum Zwecke eines geschlossenen Auftretens aller nationalen Minoritäten und der Bildung einer gemeinsamen Vertretung in Moskau einberufen. Anwesend waren Vertreter der Polen, Litauer, Armenier, Juden und-Kleinrussen. Die Polen erklärten, sie müßten unter den nationalen Minderheiten eine eigenartige Stellung einnehmen, da sie sich bereits als Staatsnation fühlten. Auf eine territoriale Autonomie auf Grundlage einer nationalföderativen Umgestaltung Rußlands erhoben Litauer und Armenier Anspruch. Die Ukrainer forderten eine national-kulturelle Autonomie in Rußland, eine national-politische in Österreich und die Übergabe sämtlicher Schulen in der Ukraine an die Kleinrussen. Die Juden legten ihre national-kulturellen Forderungen in Rußland dar, verkündeten die Einheit der jüdischen Nation in der Diaspora und formulierten das Palästinaproblem. Es wurde die Schaffung eines gemeinsamen Mittelpunktes zum Zwecke eines geeinten Zusammengehens beschlossen. Zu gleicher Zeit fand in Petersburg eine Beratung der sozialistischen Parteien 'der Minderheitsnationen statt, an der sich Vertreter der sozia- . listischen Partei Litauens, der kleinrussischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, der kleinrussischen Sozialistenpartei und der drei jüdischsozialistischen Parteien (Poale-Zion, Z.S. und J.S.A.P.*) beteiligten. .Man erkannte die Notwendigkeit eines geeinten Auftretens aller nationalsozialistischen Parteien, um den Minderheitsnationen in dem Kampfe um die Autonomie wirksam beizustehen. Am 19.März hielten die „Poale-Zion" eine Versammlung in Moskau ab, die die Stellung der Partei zur inneren Politik Rußlands und das Programm der national-jüdischen Forderungen festlegte. Am 21. März hielt der „Bund'' eine Volksversammlung ab. die die Einberufung einer Landeskonferenz beschloß. Auf den 28. März *) Jüdische Sozialistische Arbeiterpartei.