Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 15-16 (10.5.1917)
- Article
- Das neue Rußland und das jüdische Proletariat
- Date
- 1917-05-10
- Page
- Seite 452 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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452 Forderungabhängig zu machen. In der Wanderung und in dem fortdauernden Übergang zur'produktiven Arbeit sieht sie die großen revolutionierenden Prozesse des jüdischen Lebens, deren bewußte gesellschaftliche Regelung sie fordert. Sie betont die organische Einheit und die Schicksalsgemeinschaft des jüdischen Volkes aller Länder und weist dem jüdischen Proletariat der ganzen Welt gemeinsame Aufgaben und Ziele, zu deren Verwirklichung eine organisatorische Zusammenfassung der Kräfte notwendig ist. Demgemäß fordern die Poale-Zion (in Übereinstimmung mit den „Sejmisten" und Zionisten - Sozialisten) die Zulassung einer jüdischen Sektion zum internationalen Sozialistenkongreß. Diese Forderung wird vom „Bund" neben parteipolitischen Motiven auch aus dem Grunde bekämpft, weil er den Gedanken der Einheitlichkeit des jüdischen Proletariats aller Länder verwirft (ohne allerdings immer daraus die praktischen Konsequenzen zu ziehen). Die Poale-Zion Rußlands sind ein integrierender Bestandteil des jüdischen sozialistischen Arbeiterverbandes Poale-Zion, der bisher einzigen Weltorganisation des jüdischen Proletariats, die während des Krieges ihre Lebensberechtigung aufs glänzendste erwiesen hat. f Die letzten Jahre vor dem Krieg haben die Tendenz zur Zweipärteienbildung innerhalb der jüdischen Arbeiterschaft gezeigt, eine Tendenz, die durch die neuen Ereignisse in Rußland (und durch die Entwicklung der Dinge in Amerika) verstärkt wurde. Die Führung des national orientierten Flügels des jüdischen Sozialismus fällt den Poale-Zion zu. Der „Bund" hat sich große Verdienste um die Organisierung des jüdischen Proletariats erworben, aber seine Glanzperiode hat er weit hinter sich. Er war in den letzten Jahren in einem beispiellosen Dogmatismus und Sektantisinus erstarrt. Dazu hat die unterirdische Existenz, zu der jede sozialistische Partei unter dem alten Regime gezwungen war, viel beigetragen. Um die Behauptung seiner Macht besorgt, widersetzte er sich hartnäckig den Bestrebungen der nationalsozialistischen Richtung, die jüdische Gewerkschaftsbewegung auf u n p a r t e i i s c h - sozialistische Basis zu stellen, wodurch er ihre Spaltung herbeiführte und ihre Entwicklung hemmte. Sogar in der Kriegshilfsaktion konnten die Bundisten in Polen von ihrer krämerischen Parteipolitik nicht lassen und sich zu einem Zusammengehen mit den Parteigegnern aufschwingen. Es ist jedoch zu hoffen, daß jetzt, wo die sozialistische Bewegung auch in Rußland in vollstem Licht der Öffentlichkeit vor sich zu gehen begonnen hat, der „Bund", der öffentlichen Meinung Rechnung tragend, seine Praxis den Begriffen der modernen Arbeiterbewegung anpassen wird. Falls der „Bund44 noch entwicklungsfähig ist, so wird sich vielleicht in Hinkunft ein modus vivendi zwischen ihm und der national-sozialistischen Richtung herstellen lassen, um so mehr, als diese ihn während des Krieges vielfach überflügelt hat. Höchst erfreulich ist es, daß die neulich stattgehabte Konferenz des „Bund" sich mit Stimmenmehrheit für die Beteiligung am geplanten Kongreß der rusischen Juden ausgesprochen hat. Dies kann als Beginn einer neuen Praxis begrüßt werden. Daß die Zionisten-Sozialisten