Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 15-16 (10.5.1917)
- Article
- Wege und Ziele des jüdischen Sozialismus in Rußland
- Date
- 1917-05-10
- Page
- Seite 443 (sequence 15)
- Language
- German
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443 gende Bedingungen einer Vereinigung aufgestellt: 1. Räumliche Unrbegrenztheit des Wirkens. 2. Aufrechterhaltung des in der 6. Tagung in bezug auf die nationale Frage aufgestellten Programms. 3. Innere Organisationsautonomie. Im April 1906 fand in Stockholm eine Konferenz der nissischen Partei statt, in der der Zusammenschluß mit der polnischen und lettischen Partei und mit dem „Bund" erörtert wurde. Die vom „Bund" aufgestellte Bedingung bezüglich einer räumlichen Unbeschränktheit des Wirkens wurde akzeptiert, hingegen wurde die Stellung zur nationalen Frage offengelassen. Im „Bund" selbst war eine Minderheit gegen die Vereinigung, die Mehrheit jedoch dafür. Die Vereinigung kam zustande und zwei Vertreter des „Bundes'' traten in das Zentralkomitee der russischen Partei ein. Die neue politische Ära in Rußland stellte auch die bislang auf -ausschließlich revolotionäre und ökonomische Ziele gerichteten Parteien vor die Notwendigkeit einer politischen Gegenwartsorientierung. Es galt dies vor allem in bezug auf die Stellungnahme zur neuen russischen „Volksvertretung44, der Reichsduma. Die vom „Bund14 in dieser Richtung beobachtete Taktik war keineswegs ausschließlich von der Rücksicht auf die Interessen der jüdischen Gesamtheit eingegeben, sondern vielmehr in vollster Eintracht mit der nissischen Partei geleitet von allgemeinen politischen Grundsätzen und Erwägungen. Anfänglich hielt der „Bund41 an der Taktik eines „aktiven Boykotts44 gegenüber der Duma fest; seine Vertreter auf der erwähnten Stockholmer Konferenz traten entschieden für die Boykottierung der Dumawahlen ein. Die nissische Partei spaltete sich bekanntlich aus diesem Anlaß in ablehnende „Ma.ximalisten44 und für die Beteiligung an den Wahlen eintretende „Minimalsten". Indessen trat bald innerhalb des „Bundes44 ein Stimmungsumschwung zugunsten der aktiven Mitarbeit am neuen politischen Leben ein. Bereits im Juni 1906 weist ein Rundschreiben des „Zentralkomitees44 auf die Bedeutung der Wahlen und die Notwendigkeit einer Einflußnahme auf die linken Elemente hin. Die 7. Bundestagung erblickte in der zweiten Duma den Angriffspunkt der politischen Arbeit und forderte eine aktive Anteilnahme an den Wahlen. Es wurde eine Wahlplattform seitens des Zentralkomitees festgesetzt, die dahinging, daß man zum Behufe der Femhaltimg „schwarzer44 Abgeordneter -ein Wahlbündnis auch mit nichtsozialistischen Parteien eingehen dürfe, Kadetten, Z.S. und „Seimisten44 („Autonomisten44, „J.S.A.P.44 7) auch „Scrp") nicht ausgenommen. Im allgemeinen müsse man s e 1 b s t ä n - d i g vorgehen. Es wurden darauf gemeinsame Wahlausschüsse des „Bundes44 (der bei den Wahlen zur zweiten Duma über 30 Wahlmänner verfügte) und der anderen sozialistischen Gnippen ins Leben gerufen." Dagegen wurden die maßgebenden unparteiischen „Jüdischen Wahl-' komitees44 vom „Bund44 heftig bekämpft. Der Kampf zwischen dem „Bund" und den anderen Parteien, namentlich der zionistischen, nahm bei den Wahlen überaus scharfe Formen an. Auch bei den Wahlen zur 7) „Jüdische Soziaiistische Arbeiterpartei".