Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1917-05-10 · Heft 15-16 (10.5.1917) · p. Seite 442

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 15-16 (10.5.1917)
Article
Wege und Ziele des jüdischen Sozialismus in Rußland
Date
1917-05-10
Page
Seite 442 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2908689-2908690-2908706-2909744--0741-2909782
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

442 der S.D.P." im Januar 1905, an der auch der „Bund" vertreten war, wurde im Hinblick auf die neue politische Lage eine Resolution angenommen, derzufolge die Forderung „gesetzlich geschützter kultureller Entwicklungsfreiheit für jede Nationalität" erhoben wurde. Das taktische Doppelspiel in bezug auf die nationale Frage wurde auch auf der folgenden 6. Bundestagung vom Jahre 1905 in Zürich geübt. Ohne sich offen und rückhaltlos als national-jüdische Partei erkenntlich zu machen, ohne in eindeutiger und verbindlicher Weise sich zur Forderung nationaler Rechte zu bekennen und diesem Bekenntnis im Parteiprogramm klaren und präzisen Ausdruck zu geben, begnügte sich der „Bund" damit, bei jeder passenden Gelegenheit, namentlich in der nichtjüdischen Öffentlichkeit, auf recht platonische Art, in allgemeinen, zu nichts verpflichtenden Worten, sich an der Idee einer nationalkulturellen Autonomie gleichsam herumzudrücken. Er ließ durch seine Delegation zur 2. Konferenz der R.S.D.A.P. die Erklärung abgeben, derzufolge „eine Bürgschaft gegen nationale Konflikte nur durch di<« Statuierung eines staatsrechtlichen Instituts in bezug auf die nationalkulturelle, nicht territoriale Autonomie geschaffen werden könne. Es müßten die Selbstverwaltungsfunktionen im Zusammenhang mit den Kulturfragen, dem Aktionsbereich der staatlichen und städtischen Organe entzogen und den Nationalitäten in der Form besonderer lokaler und zentraler Institutionen zugewiesen werden, deren Mitglieder von ihnen allein gewählt werden " Diese Bumlestagung nahm übrigens eine Resolution gegen einen Antrag auf die Hervorhebung der Förderung der Wiederherstellung Polens und einer der Ukraina zu gewährenden Selbstverwaltung im Bundprogramm an, was zwar keineswegs aus rein jüdischen Empfindungen und Erwägungen geschah, aber im Hinblick darauf, daß das Programm auch für die jüdischnationalen Rechte nichts übrig hatte, doch durchaus „konsequent" war. Indessen wurde auf dieser Tagung eine geharnischte Entschließung gegen die — „z i o n i s t iTc h -sozialistische Fraktion4' gefaßt und mit allem Nachdruck der Überzeugung Ausdruck gegeben, daß der Zionismus in allen seinen Formen rücksichtslos bekämpft werden müsse. Der Gedanke einer Wiedervereinigung mit der russischen Partei tauchte im Jahre 1905 infolge der durch die neue revolutionäre Ära geschaffene Notwendigkeit, einqr einheitlichen Stellungnahme aller revolutionären Elemente zur neuen Lage und zur neugeschaffenen nissischen Yolksvertretung wieder auf. Diese politische Notwendigkeit hatte bereits zu vereinzeltem Zusammengehen der Bundesorganisationen (in Wilna und Riga) mit der B.S.D.A.P. geführt. Im Dezember 1905 erging seitens der. russischen Partei an den Bund der Vorschlag zur Einberufung einer zwischenparteiischen Konferenz zum Behufe einer Erörterung der Wiedervereinigungsfrage. Der „Bund" ging darauf ein, jedoch kam die Zusammenkunft nicht zustande. Hingegen befaßte sich mit der Zusammenschlußfrage eingehend die im August 1906 in Leipzig einberufene 7. Bundestagung. Auf dieser Tagungwurden fol-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.