Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 15-16 (10.5.1917)
- Article
- Wege und Ziele des jüdischen Sozialismus in Rußland
- Date
- 1917-05-10
- Page
- Seite 435 (sequence 7)
- Language
- German
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435 der jüdisch-politischen Forderung* wurde der enthusiastische Agitator K. Jhirtow (I. Zederbaum, dessen Schriften „Die naje Epoche" und „Der Stodmagid" die neue Wandlung kennzeichnen). Wurde bisher die Arbeit im Ansiedlungsgebiet lediglich als eine „Beilage zur allgemeinen Arbeiterbewegung" betrachtet, so erklärte nunmehr Martow: ..die Erstarkung des n a t i o n a 1 e n und des Klassen b e w u ß t. - seins müsse Hand in Hand gehen". Die neuen politischen Tendenzen lenkten freilich bald die Aufmerksamkeit der bis dahin sich ziemlich reserviert verhaltenden Behörden auf sich. Immer stärker wurde die Tendenz, sich von der allgemeinen russischen Organisation loszulösen und ein selbständiges Dasein gemäß der besonderen Interessen und Forderungen zu führen. Auf dem 1890 in London stattgefundenen Internationalen Sozialistcnkongreß war das jüdische Proletariat durch vier Delegierte (aus den Ortsgruppen Warschau. Wilna, Minsk und Smorgon) selbständig vertreten. 1805 Fand in Minsk.eine Zusammenkunft Wilnaer und Minsker Führer statt* in der der Zusammenschluß der jüdischen Gruppen erwogen wurde. Die Beratungen ergaben die allseitig bestehende Überzeugung von der Notwendigkeit einer besonderen jüdischen Organisation und der Forderung von Gleichberechtigung. Die in diese Zeit fallende Konstituierung der „Russischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (R.S.A.P.) gab den jüdischen Organisationsbestrebimgen den entscheidenden Anstoß. Im »September 1897 fand in Wilna die erste konstituierende Tagung des »Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes in Litauen und Polen" (kurz „Bund") statt, der indessen auf ausdrücklichem Beschluß n i c h t a l s b eson d e r e P a r t e i, sondern als Zweckorganisation für sozialistische Propaganda unter den Juden gelten sollte. Die Sonderexistenz wurde ausdrücklich mit den besonderen Interessen, so der Rechtlosigkeit der Juden und der Notwendigkeit der Schaffung einer jüdischen Propagandaliteratur, begründet. Indessen fand diese Auf-, lassung in der allgemeinen russischen Partei kein Verständnis; sie stieß vielmehr auf heftigen Widerstand. Schließlich bequemte sich der erst«' Parteitag der R.S.A.P. von 1808 in Minsk dazu, den „Bund" als Bestandteil der gesamtrussischen Partei mit einer Autonomie in inneren Angelegenheiten des jüdischen Proletariats anzuerkennen. Der Bund akzeptierte in Bausch und Bogen das in einem auf dem „Erfurter Programm" beruhenden „Manifest" niedergelegte Programm der „Russischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei", in dem auch in beziig auf die nationale Frage das Selbstbestiminungsrecht aller Nationalitäten proklamiert wurde. Während sich so die russische Gesamtpartei mit der Lage der Dinge abfand, legte das in Polen maßgebende P.P.S. (Polnische Sozialistische Partei) der neuen jüdischen Organisation gegenüber ein entschieden ablehnendes, ja feindliches Verhalten an den Tag. Auf dem IV. Kongreß des P.P.S. vom Jahre 1897 wurde eine .Resolution gefaßt, in der es hieß, daß „ das Programm und organisatorische Selbst- Isolierung des .Bundes' ihn in eine unerwünschte Situation uns (dem P.P.S.) gegenüber stellt". Durch die endgültige Konstituierung des