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Neue jüdische Monatshefte · 1917-04-25 · Heft 14 (25.4.1917) · p. Seite 424

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 14 (25.4.1917)
Article
Polen
Date
1917-04-25
Page
Seite 424 (sequence 2)
Language
German
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424 Massen führt. Ich verlange besonders von allen mit uns Übereinstimmenden, denen mein Wunsch teuer ist, mar Namen und Wohnort derjenigen mitzuteilen, die die Zeitung abonnieren oder .auf der Straße kaufen. Ich mache dabei zwei Bemerkungen: 1. Man soll nicht glauben, daß das Lesen einer Zeitung meiner Ansicht nach eine Pflicht ist. Wenn ein Judo keine Zeitung liest und sich nur mit der Thora beschäftigt, ist es sehr gut und angenehm. Aber das ist edne Seltenheit; mein Wunsch ist daher der, daß solche Juden, die eine fnmde Zeitung lesen, weil in ihr violleicht mehr Berichte »ind als in dieser Zeitung, sich lieber, um das Gesetz der heiligen Thora zu hüten, mit weniger begnügen sollten, zumal sie, wenn diese Zeitung sich weiter entwickelt, in ihr alle Berichte wie in den anderen Zeitungen haben werden. 2. Man soll nicht glauben, daß ich durch diese Agitation dio Stellungnahme* dos Herausgebers in der allgemeinen diplomatischen Politik gutheiße. Ich mache darauf aufmerksam, daß ich mich für keinerlei Politik interessiere. Die Hauptsache ist, daß in dieser Zeitung nichts Anstößiges ist und daß der Herausgeber versichert hat, falls bisher schon etwas Unerwünschtes darin war, daß dies in der Zukunft gebessert werde und daß er den Wünschen der Orthodoxen Gehorsam entgegenbringen werde. Was dio Politik betrifft — das ist nicht unsere Sache. Abraham Mordochai Alter.*' Gegen dieses sie tief demütigende Dokument haben die deutschen „Führer" nicht mit einem Worte Protest erhoben! Sie . sind also offenbar mit einer Empfehlung einverstanden, welche aus dem Geäste einer absoluten Abschließung gegen die Umgebung gegeben wird und die ihnen bezeugt, daß sie sich an ■einen Standpunkt anpassen, der so weltenfern und weltenfremd ist, wie ihn die verstdegendsten Vertreter anderer politischer Gruppen niemals vertreten haben. Und bei diesem au3 dem Dokument hervorgehenden Geiste völliger Abschließung behaupten dio Führer der Chassidim noch, daß die Nationalisten ihrerseits eine Trennung des jüdischen Volkes von den Polen wünschten!! Es ist überhaupt schwer verständlich, wie man bei einem solchen Standpunkt jemals weiterkommen soll. Wir bleiben durchaus der Ansicht, daß es notwendig ist, dem polnischen Judentum seine religiöse Grundlage zu erhalten, und das besonders in einer Zeit, wo sonst alle Grundlagen wanken. Selbst in Westeuropa hat ja der Gang der Emanzipation schwere Schädigungen der Gesamtheit mit.sich gebracht, und wir sind gewiß damit einverstanden, wenn man versucht, in Polen diese Schädigungen zu vermeiden. Aber, wenn sich deutsche Juden mit auf den Standpunkt stellen, daß das Zeitungswesen an sich vom Übel und es nützlich sei, ein ganzes Volk selbst von der Kenntnis fremden Denk e n s fernzuhalten — mit einem Wort, alle fremden Geisteserzeugnisse auf den Index zu setzen —, so fehlt uns für einen solchen Standpunkt doch jedes Verständnis. Das heranwachsende Geschlecht muß bei einem solchen Vorgehen hinter der Umgebung völlig zurückbleiben und für jeden, auch den gemäßigsten Fortschritt verloren sein. In den finstersten Zeiten des katholischen Klerikalismus hat man doch nie gewagt, sogar die Käufer und Abonnenten von Zeitungen zu überwachen und zu verlangen, daß sie den geistlichen Oberen mdt Namen mitgoteilt werden. Der ganze Vorgang erinnert an die Verweigerung der Absolution in Tirol für solche Bauern, welche sich weigerten, auf die „Neue Meraner Zeitung" zu abonnieren. Und das alles nehmen deutsche Juden protcstlos hin! Die Herren Dr. Cohn und Dr. Carlebach haben sogar dem Gerer Rebbe ausdrücklich erklärt, daß, wenn schon „etwas Unerwünschtes" bisher in der Zeitung war, man den Wünschen der Orthodoxen Gehorsam entgegenbringen werde. Der Herausgeber „will es nicht wieder tun".

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