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Neue jüdische Monatshefte · 1917-04-25 · Heft 14 (25.4.1917) · p. Seite 400

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 14 (25.4.1917)
Article
Vom Mittlerberuf der Juden
Date
1917-04-25
Page
Seite 400 (sequence 4)
Language
German
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400 entgegengesetzte Strömungen gefeit zu sein. Tatsächlich aber lassen überlieferte oder neue Vorurteile, als Sache der ganzen Nation hingestellte Interessenkonflikte einflußreicher Schichten, Übertreibung der nationalen Differenzen durch Agitationen aller Art und ähnliche Faktoren Perioden im Leben der Nationen eintreten, wo die Mehrheit fast aller Klassen von Leidenschaften verblendet werden, die alles vernünftige Überlegen in den Hintergrund drängen, so daß die streitenden Völker einander nicht mehr zu verstehen vermögen und den Blick für ihr wahres Interesse verlieren. Von solchen Leidenschaften sich freizuhalten, zu allen Zeiten das die Völker Verbindende zu betonen, in Zeiten des Streites aber ganz besonders durch Eintreten für maßvolles Urteil der Stimme der Vernunft zu ihrem Recht zu verhelfen und dadurch als Mittler der Nationen sich zu betätigen, das ist nach meiner Ansicht eine Mission, zu der neben anderen gerade die Juden berufen wären, und für diedie Erinnerung daran, daß die Juden Eingebürgerte und Gilste aller Nationen sind, das Gefühl in ihnen wacherhalten und sie vor der Teilnahme an Ausschreitungen des Nationalismus bewahren müßte. Nichts hindert dsn seiner Herkunft sich bewußten Juden, sich dem Volk innig verbunden zu fühlen, in dessen Mitte er Heimat und Bürgerrecht gefunden hat, und es als seine Pflicht zu empfinden, mit voller Hingebung an den Kämpfen für dessen Freiheit, Wohlfahrt und Unabhängigkeit sich zu beteiligen. Aber nichts sollte ihn auch daran hindern, dem Mißbrauch, der Übertreibung und den Ausschreitungen des Nationalitätengeistes nach besten Kräften entgegenzuwirken und, wo immer die Verführung an ihn herantritt, seinen Patriotismus durch Einstimmen in das Geheul der Überpatrioten zu bekräftigen, die Zumutung mit den Worten zurückzuweisen, die einer der größten Dichter des Altertums seiner schönsten dramatischen Schöpfung in den Mund gelegt hat; „Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich dau. Dies der Grundgedanke meiner obenbezeichneten Schrift. Sie ist, wie dies ihr Titel anzeigt, im Hinblick auf die besonderen Probleme geschrieben, vor die der Weltkrieg die Juden in den verschiedenen Ländern gesteilt hat. Aber sie gibt für sie keine Rezepte, sondern entwickelt nur, welches nach der. Ansicht des Verfassers die leitenden Gesichtspunkte sind, gemäß denen in den einzelnen Ländern die Juden ihre Haltung zu bestimmen hätten. Hierbei wird die Tatsache voll berücksichtigt, daß die eigentümliche Konstellation der europäischen Mächte im Weltkrieg, die Bundesgenossenschaft der vorgeschrittenen Westmächte mit dem rückständigen Rußland, für viele Juden bei der Entscheidung über ihre Stellungnahme einen Konflikt der Pflichten bedeutet hat, den restlos zu lösen nicht möglich war. Vor dem Ausbruch der Revolution in Rußland geschrieben und vor deren Sieg in Druck gegeben, konnte die Schrift leider die große Bedeutung dieses welthistorischen Ereignisses für unsere Frage nicht mehr würdigen und enthält noch einige Sätze, die — hier darf ich sagen, glücklicherweise — von den .Ereignissen überholt und, sofern sie hinsichtlich der Aussichten auf Verbesserung der Lage der Juden in Rußland Zweifeln Ausdruck

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