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Neue jüdische Monatshefte · 1917-04-10 · Heft 13 (10.4.1917) · p. Seite 388

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 13 (10.4.1917)
Article
Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
Date
1917-04-10
Page
Seite 388 (sequence 2)
Language
German
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386 Schöpfung und Offenbarung vereinigen sich in der Vernunft zu «einer und derselben Funktion Gottes. Gott ist der Schöpfer den Menschen, als der Schöpfer seiner 'Vernunft. Und so ist alle Schöpfung 'zugleich Offenbarung, weil Erweckung und Entfaltung der göttlichen 'Vernunft im Menschen. Fehlt nun etwa jener Urkern des zulässigen Pantheismus dem Judentum, wenn Hiob es aussprechen darf: „Wahrlich, Geist ist im Menschen,-und die Seele des Allmächtigen macht sie vernünftig.'4 Oder In dem anderen Ausspruch: „Ein Anteil an der Gottheit von oben und das Erbteil des Allmächtigen aus der Höhe." In vollem juristischen Ausdruck wird hier das Erbeigentum des Menschen an der Gottheit festgestellt. Es ist aber eine wundersame Fügung, daß in der ursprünglichen Entwicklung des biblischen Judentums es noch zu einer direkten Bestätigung gekommen ist dafür, daß es einer eigenen persönlichen Vermittlung, nicht bloß nicht in einer Menschwerdung, sondern auch nicht ■durch einen Logos oder heiligen Geist gar nicht bedarf. Der heilige Geist — die richtige Übersetzung würde lauten: der Geist der Heiligkeit — kommt außer einer minder wichtigen Stelle in einem Doppelverse bei Jesaja, nur im Psalm 51 in charakteristischer Bedeutung in der ganzen alten Bibel vor. Der Psalm wird auf die ^ünde Davids an der Bathseba bezogen, und hat von daher seine Überschrift empfangen. Dort aber ruft David aus: „Verwirf mich nicht von Deinem Angesichte und nimm Deinen heiligen Geist nicht von mir.'' Gerade von schwerster Sünde belastet, verzweifelt David nicht an dem unverlierbaren Besitze seines heiligen Geistes. Diesen hat er von Gott empfangen und ihn kann Gott nicht von ihm wegnehmen, ohne mit <lem Menschen sich selbst zu vernichten. Der heilige Geist ist der Geist der Heiligkeit, zu der Gott den Menschen berufen hat, Die Heiligkeit ist die sittliche Vernunft, welche Gott und Mensch, zwar nicht vereinigt, .aber verbindet. Und durch diese sittliche Vernunft unterscheidet sich das Judentum vom Pantheismus: der die sittliche Vernunft nivelliert zur Weltvernunft und das Sittengesetz gleichsetzt mit dem Naturgesetz. Wie nun aber durch die göttliche Vernunft im Menschen der gesunde Keim des Pantheismus auch im Judentum angelegt ist, so könnte rs nicht ausbleiben, daß auch die jüdischen Denker der Versuchung des Pantheismus nicht immer, nicht grundsätzlich widerstanden. Münk gibt in seinen „Melanges de philosophie" eine Stammtafel der jüdischen Pantheistcn bis auf Spinoza, In vorderster Reihe steht da Salomo ihn Gebirol, eine exzentrische Erscheinung in dieser Reihe. Denn der Mann war ja der synagogale Dichter mit seiner tiefsinnigen Psahnenlyrik. Aber er war zugleich ein Metaphysiker, der seinen Seelenbegriff vor den Netzen von Materie und Form nicht zu schützen vermochte, und von daher in die Schlingen des Pantheismus verfiel. Dieses historische Phänomen hat ein Nachspiel gehabt, dem in neuester Zeit noch ein Satyrspiel gefolgt ist, dessen Bericht einen heiteren Trost in dieser schweren Zeit bringen dürfte.

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