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Neue jüdische Monatshefte · 1917-04-10 · Heft 13 (10.4.1917) · p. Seite 389

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 13 (10.4.1917)
Article
Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
Date
1917-04-10
Page
Seite 389 (sequence 3)
Language
German
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389 \ Gcbirol gibt sich in seinem philosophischen Werke Mekor chajim (Fons vitae) nicht als Juden zu erkennen, und so konnte es kommen, daß während Pico von Mirandola, ihn noch als solchen kennt, Giordano Bruno' ihn nach seinem philosophischen Autornamen A vice bron für einen arabischen Mohammedaner hält, und mit großer Anerkennung ihn vielfach zitiert, mit anderen Worten, seinen Pantheismus hauptsächlich ihm entnimmt. Es ist daher ergötzlich, daß der vielbelesene nationale Odysseus Houston S t u a r t C h a m b e r 1 a i n von Goethes angeblichem Pantheismus die Spinozaquelle eifervoll ablehnt. Goethe habe Spinoza nur obenhin gelesen, dagegen habe er seinen Pantheismus Giordano Bruno zu verdanken. FürChamb'erlain gilt diese Quelle um so unverdächtiger arisch, als Giordano Bruno vielleicht die boshafteste antisemitische Giftquelh* ist, die es überhaupt in der ganzen neueren Literatur geben dürft*. Wahrscheinlich hat von hierher auch Spinoza bösen Einfluß erlitten. Aber das dämonische Ränkespiel, welches selbst das zweifelhafte Gut des Pantheismus dem semitischen Geiste nicht verdanken will, wird durch diese Notiz, die bekannt genug ist, humoristisch erledigt. Salonm Münk, der von Deutschland auswandern mußte, um in Paris ehrenvoll" Wirksamkeit zu finden, hat in dem Araber den Juden wieder entdeckt. Giordano Bruno hat daher aus jüdischer Quelle seine Nahrung geschöpft. Und wenn Goethe mehr Bruno als Spinoza gelesen hätte, so wäre auch dann sein Pantheismus nichtsdestoweniger ein jüdischer. QHQHUDOHEDEDtlDl Umschau der Presse [ ED [ID GB ED EID HDW| Die „Polnischen Blätter" und die Juden/rage Der Leitartikel in Nr. 53 der „Polnischen Blätter'4 beschäftigt sich mit der Judoiifra^e im Königreich Polen, und zwar wendet er sieh in sehr scharfer Form gegen „besondere ausländische Komitees und Schriftftelier, hauptsächlich in Deutsehland, welche diese Frage in Pacht genommen, u m sie in letzter Konscqu e.u z gegen das Pol e n tum, a h e r auch tatsächlich gegen die Juden auszunutzen.1' Damit hat der Aufsatz in der jetzt in polnischen Zeitungen leider üblichen Manier von vornherein wieder die Tatsachen umgekehrt. Ks muß einmal festgestellt werden, daß augenblicklich die polnische Journalistik in durchaus einheitlicher, wenngleich wenig geschickter Weise den Versuch macht, d-io polnischen Juden — und insbesondere die ihrer Stammesgenossen sieh annehmenden deutschen Juden — als die eigentlichen Störer des Friedens in Polen darzustellen. Auf diese Behauptung irgendwie näher zurückzukommen, verlohnt nicht der Mühe. Es ist das alte Märchen vom Lamm, (las ninem weniger friedlichen Lebewesen das Wasser £-etrübt hat. in Wirklichkeit gibt es wold niemand außerhalb des polnischen Kreises, der »laubf, dal?) die Juden die Polen zum Vergnügen oder aus irgendwelchen anderen Gründen angreifen und so sich selbst oder ihren Stammesgenossen unlojdscherweise das Leben erschweren. In Wirklichkeit liegt die Sache so, daß das polnische Judentum sich gegen eine durchaus rücksiehtslosc Behandlung wehrt, und daß ihm dabei die ausländischen Komitees und Schriftsteller Peistaml leisten, wie das ihre Plutspflicht ist.

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