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Neue jüdische Monatshefte · 1917-04-10 · Heft 13 (10.4.1917) · p. Seite 387

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 13 (10.4.1917)
Article
Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
Date
1917-04-10
Page
Seite 387 (sequence 1)
Language
German
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3Ö7 Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft Von Hermann Cohen 12. Der Jude in der christlichen Kultur III. IP^&u den Vorzügen des Christentums pflegt seine Verwandtschaft mit dem Pantheismus gezählt zu werden. Zwar der universelle direkte W4E>) Pantheismus, der das Universum schlechthin mit Gott gleichsetzt, kann nicht ausdrücklich angesprochen werden, da jede Form des Monotheismus den Einen Gott als Schöpfer des Weltalls annehmen muß.. Aber der Pantheismus hat sieli schon in der Antike mit einer Vermit:- lung ausgerüstet, welche zuerst die Seele, als Weltseele, und sodann die Vernunft, der Logos bildet. Dieser Logos Philos hat im Christentum vornehmlich das Dogma von der Menschwerdung Gottes zur Wirkung gehabt. Die Vernunft ist es, welche die Vermittlung zwischen Gott und Mensch vollzieht. Mit diesem Gedanken haben sich die ältesten Väter des Christentums das Dogma der Trinität gedeutet. Ks ist sicherlich keine Verletzung der Pietät für das Christentum, wenn man auszusprechen wagt, daß niemals und von keiner berufenen Seite dieses Dogma anders geglaubt worden sei, als in solcher Idealisierung- Dieses Gedankens aber glaubte man bedürfen zu müssen, da das Vcihältnis zwischen Gott und Mensch eine Vermittlung durch die Vernunft voraussetzt. So entstand ein indirekter, nicht nur durch die Weltseele, noch durch die Welt Vernunft, sondern durch die Mensch und Gott verbindende Vernunft vermittelter Pantheismus. Und da nun die Menschwerdung Gottes diese Vermittlung zwischen Gott und Mensch vollzieht, so sei dies eine Richtung des Pantheismus, welche dem Christentum eigentümlich sei, und durch welche es sich vom Judentum mit der starren Jenseitigkeit und Unvergleichbarlceit seines Einzigen Gotte.* unterscheide. Beachten wir indessen, daß der Sinn der Menschwerdung lediglieh durch die Gemeinschaft der Vernunft bei Gott und Mensch zur Auswirkung kommt, so müßten wir an allen Grundelementen des Judentums irre werden, wenn nicht auch in ihm dieser Ursinn der VernunfiiHMneinschaft zu einer tiefen und breiten Grundanlage gekommen wäre. Gott hat dem Menschen die Vernunft gegeben. Der .Mensch konnte sie nicht von sich selbst haben: sie ist das Wahrzeichen der göttlichen Schöpfung. In ihr wird er zum Ebenbilde Gottes. Und auch Gott hinwiederum kann, wie sehr immer dem Grade nach verschieden, dennoch dem Wesen nach nur dieselbe Vernunft dem Menschen verliehen haben, die sein eigenes göttliches Wresen ausmachu So stellt die Vernunft das Verhältnis zwischen Gott und Mensch h<;rr das zwar niemals Identität bedeuten darf, das aber jenem Frsinu de.- Pantheismus gerecht wird.

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