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Neue jüdische Monatshefte · 1917-04-10 · Heft 13 (10.4.1917) · p. Seite 374

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 13 (10.4.1917)
Article
Deutschtum und Judentum
Date
1917-04-10
Page
Seite 374 (sequence 3)
Language
German
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374 raiig) fast immer die bedenkliche Neigung., den Erscheinungen, denen er sich widmet, Eigenschaften anzudichten, die sie nicht besitzen. Das mag in der Erotik ein liebenswürdiger Zug sein; in der Wissenschaft ist er anfechtbar. Den Dingen werden vom Idealismus Bestimmungen und Zwecke beigelegt, von denen jene selbst (sozusagen) nichts wissen. Dabei gehen die Idealisten, zumal die Kantianer, mit Unerbittlichkeit vor und verlangen von jedem Einsichtigen, daß er ihre Teleologie anerkenne; eine Neigung, die aus der Verschwistertheit des Idealismus mit der Ethik entspringt. Als Objekte für sein Theoretisieren bevorzugt er: Staat, Nation, Volkstum, Rasse; vier Gebiete, deren Literatur ganz erfüllt ist von idealistischen Nebeln, und die zum beliebtesten Tummelplatze für die Unduldsamkeit der Teleologie geworden sind. Es werden diesen gesellschaftlichen Gebilden Missionen, religiöse oder (allgemeiner) metaphysische Bestimmungen zugeschrieben, an die man glauben mag, wenn man sich dazu gedrängt fühlt, die aber zur Erkenntnis keine Beziehung aufweisen. Diese Skepsis wird von den Idealisten als minderwertiger Materialismus abgewiesen. Das darf uns, die wir abstrakten Hirngespinsten kühl bis ans Herz hinan gegenüberstehen, nicht hindern, jone Spekulationen abzulehnen. Innerhalb der vier genannten Gebiete ist wiederum die Beschäftigung mit dem Deutschtum und (von anderen Gesichtspunkten aus) mit dem Judentum besonders bevorzugt worden. Es wäre ein interessanter Beitrag zur Geschichte der menschlichen Irrtümer, wollte man einmal feststellen, was nicht schon alles für deutsch oder für jüdisch gegolten hat. Man würde die seltsamsten Widersprüche mitteilen können. Ich leugne aber, daß es so etwas wie Deutschtum oder Judentum gibt, wenn man darunter deutlich umgrenzbare, in sieb geschlossene und wenig veränderliche Zusammenhänge geistiger Natur versteht, die in der Welt der Ideen objektive Wesenheit besitzen. Jedoch das ist freilich richtig: Eine Mehrzahl von Menschen, die längere Zeit gleichen Einflüssen derselben Umwelt ausgesetzt ist, muß (neben Verschiedenheiten) auch gewisse Übereinstimmungen und Ähnlichkeiten aufweisen. Überdauern die Einflüsse mehrere Generationen, so werden sich die Ähnlichkeiten der Nachfahren häufen, während diese Menschen in ihren Eigenschaften von den Merkmalen derer abweichen, die in ihren besonderen Gemeinschaften anderen Einflüssen ausgesetzt sind. Reichen die Einflüsse bis in frühe Vorzeit zurück, so gesellen sich zu den deutlicher erkennbaren Anpassungserschemungen noch schwerer durchdringbare, die wir — mehr bequem als klar — als Anlagen und Kasseneigentümlichkeiten bezeichnen. Damit ist eine Tendenz zum Ähnlichsein von Volks- oder Stammesgenossen und zu ihrer Verschiedenheit gegenüber Angehörigen anderer Völker, Rassen und Stämme zugegeben. Diese Tendenz — nur um eine solche kann es sich handeln — wird aber von anderen biologischen Tendenzen (zum mindesten in modernen Zeiten) durchkreuzt, so daß es heute nicht möglich ist, mit einer Spur von Exaktheit klar umrissene

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