Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 13 (10.4.1917)
- Article
- Nationale Autonomie für die Ostjuden
- Date
- 1917-04-10
- Page
- Seite 371 (sequence 9)
- Language
- German
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-:__:_*H w serielleres Mittel, um sie zu ausgezeichneten Polen in politischem Sinne, yj§S£aatsbürgern zu machen, die mit Leib und Seele ihrem Vaterlande crimen sind. ftDas Schema dieser rein sprachlich-kulturell gemeinten, brauchen w*«tes gefährliche Wort einmal absichtlich, „nationalen Autonomie'4 eriu\^ plle Voraussetzungen, die der begeistertste Pole fordern kann, und damtff'JSomme ich noch einmal auf den im Eingang erwähnten Irrtum des Ätohcrm v, Reehenberg zurück. Er behauptet, daß nach Einführung der jüdischen Volksgemeinschaft jeder in Polen lebende Jude gezwungen sein werde, ihr Steuern zu zahlen und seine Kinder ihren Schulen zu übergeben. Das ist ein grober Irrtum! Es ist jeden Einwohner des Landes, also auch jedem, der sich in konfessioneller Beziehung als Jude bezeichnet, völlig freigestellt, sich in die Matrikel einer anderen Sprach- und Kulturgemeinschaft aufnehmen zu küssen. Kr ist dann eben Mitglied der jüdischen Synagogengemeinschaft, aber unangefochten von irgendjemand Mitglied der polnischen Volksgemeinschaft, der er seine Schulsteuern zahlt und seine Kinder anvertraut. Das ist ein Punkt, auf dem gerade wir völlig an die deutsche Sprachen! Kulturgemeinschaft assimilierten deutschen Juden das allergrößte Gewicht legen und legen müssen, und über den wir keinen Zweifel bestehen lassen dürfen. Aus diesem Grunde haben wir auch das Hesel ersehe Organisationsstatut für das Generalgouvernement War-, schau zwar als einen gewaltigen Fortschritt begrüßt, halten aber daran fest, daß es das letzte Ziel nicht erreicht hat. Die Juden im religiösen und im sprachlich-kulturellen Sinne fallen sogar in Polen nicht zusammen, und nur eine reinliche Scheidung kann Verhältnisse bringen, die keine gefährlichen Reibungen und keinen Gewissenszwang nach irgendeiner Seite mehr mit sich führen. Als der Verfasser vor ungefähr zwei Jahren vor einer Reihe hervorragender polnischer Führer seine Gedanken entwickelte, wurde ihm von allen Seiten bescheinigt, daß die Forderungen des Programms überaus gemäßigt und bescheiden seien. Jeder Leser der vorstehenden Darlegungen wird, wenn er nicht hoffnungslos verhetzt ist, dieses Anerkenntnis unterschreiben müssen: Jüdisch als Unterrichtssprache in den unteren'Klassen der Volksschule und eventuell der Vorschule, bei sorgfältiger Pflege der polnischen Sprache, das notwendige Dolmetschwosen für Sprachangehörige, die sich vor Gericht nicht allein zu verständigen wissen, Pflege der jüdischen Sonderkultur in Literatur, Folklore und Kunst und vielleicht für eine gemessene Übergangszeit eine gewisse Garantie für eine einigermaßen verhältnismäßige Vertretung in den Wahlkörperschaften, am liebsten durch den Proporz: — . das ist alles, was ich verlange. Daß in den jüdischen Schulen bis zur obersten Stufe nebenher noch das Hebräische und die jüdische Geschichte besondere Pflege finden sollen, hat bisher unseres Wissens kein Pole bemängelt, Das hochbegabte polnische Volk, der Träger einer alten und berühmten Kultur, geht daran, auf dem alten Boden ein neues Haus zu