Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 13 (10.4.1917)
- Article
- Nationale Autonomie für die Ostjuden
- Date
- 1917-04-10
- Page
- Seite 372 (sequence 10)
- Language
- German
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372 errichten. Es sollte sein Ehrgeiz sein, dieses Haus so schön und wohnlich wie möglich für alle seine Insassen zu errichten. Es mag ganz und "'gar im polnischen Baustil errichtet sein, aber im Innern sollte, wenn der banale Ausdruck gestattet ist, „aller Komfort der Neuzeit" angebracht werden. Dazu gehört vor allen Dingen eine vernunftgemäße, den Erfahrungen der jüngsten Zeit entsprechende Ordnung des Nationalitütenprogramms. Je nachdem der neue Staat seine Grenzen erhält, werden sich die Polen mit Ruthenen, Weißrussen,'Litauern, Deutschen und in jedem Falle mit' einer starken jüdischen Minderheit auseinanderzusetzen und zu vertragen haben. Es sollte ihr edler Ehrgeiz sein, diese schwierigen Dinge von vornherein weitherzig im Sinne modern verstandener Gewissensfreiheit so zu ordnen, daß diese Ordnung das Muster der ganzen Welt werden kann. Dann werden sie dein inneren Frieden und der schnellen Auflichtung der Wohlfahrt des durch diesen furchtbaren Krieg so schwer zerrütteten Landes dienen un<l nicht weniger dem Rulim des polnischen Namens, der polnischen Kultur und der in früheren Jahrhunderten erprobten polnischen Duldsamkeit. Deutschtum und Judentum Ein Versuch von Prof. Dr. Leopold v. Wiese, Köln f^^j^jSTährend des Krieges kann man mehr noch als früher über das O^N^i ^n^a^sre^clie Thema: Deutschtum und Judentum lesen. Mir WWWQj wird dabei freilich aufs lebhafteste bewußt, daß fast alle Autoren, denen ich begegne, eine ganz andere Stellung zu diesem Gegenstande einnehmen, als sie mir möglich ist. ihre Versuche sind aus spekulativem, geschicht9philosophischem Bestreben und aus idealistischem Geiste entstanden, wobei natürlich nur an Schriftsteller gedacht ist, die sich ernstlich um objektive Erkenntnis bemühen. Jedenfalls scheint kein Autor daran zu zweifeln, daß man wirklich wissen könne, was Deutschtum und was Judentum seien. Mein Ausgangspunkt kann aber nur von einer beträchtlichen Skepsis gegenüber jeder Art von „Tum" gewählt werden: eine andere Gr/ffedauffassung ist mir nicht möglich. m Einmal handelt es sich in diesen Schriften bei solchen Begriffen wie Deutschtum und Judentum um Abstraktionen von geschichtlichen Tataachen. Hier stock' ich schon. Ihre letzten Erkenntnisquellen bestehen in über viele Jahrhunderte bunt verteilten Millionen von Einzelbeobachtungen. Es gibt keinen menschlichen Geist, der auch nur einen beträchtlichen Teil von ihnen zu übersehen vermöchte. Man ist zum mindesten auf frühere Abstraktionen und Verdichtungen von Tatsachenmassen angewiesen, die zahlreiche Vorläufer (zu irgendwelchen Zwecken) vorgenommen haben. Umfangreiche Tatsachenreihen müssen unter allen Umständen unberücksichtigt im Dunkeln bleiben; vielleicht