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Neue jüdische Monatshefte · 1917-04-10 · Heft 13 (10.4.1917) · p. Seite 369

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 13 (10.4.1917)
Article
Nationale Autonomie für die Ostjuden
Date
1917-04-10
Page
Seite 369 (sequence 7)
Language
German
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369 g e g e n s t a n cl) in den aus ihren eigenen Steuermitteln errichteten und unterhaltenen Volksschulen anwenden wollen. Im Gegenteil: wenn er als oberster Pädagoge hier überhaupt im Interesse der Bildung und Kultur des ganzen Staatsvolkes eingreifen will, so wird er ganz generell zu fordern haben, daß die Unterrichtssprache in den unteren Klassen aller Volksschulen nur die )l utt er - und H a u s s p r ache sein d a r f. Denn es ist eine ■Grausamkeit und pädagogisch geradezu eine Niederträchtigkeit, Kinder in einer Sprache zu unterrichten, die sie nicht verstehen. Im übrigen aber soll und kann ein wohlberatener Staat-gerade a& Oberpädagoge im Sinne Rousseaus die weitere Ordnung des Schulwesens der betreffenden Nationalität durchaus und vertrauensvoll selbst überlassen. Sobald die Freiheit gewahrt ist, sobald infolgedessen der nationalistischen Hetzerei von allen Seiten der Boden entzogen ist, entscheidet nämlich auch in allen Schulfragen nur noch ein praktisches ln'cresse, das stärkste Interesse, das es überhaupt gibt, das Interesse, das Eltern am Fortkommen ihrer Kinder haben. .Und das wird stärker als aller Staatszwang dafür sorgen, daß die jüdischen Kinder aus ihren Schulen mit der vollen Beherrschung der Landes- und wahrscheinlich der Reichssprache, hervorgehen. Es gibt positiv in ganz Polen nicht einen »Juden, der nicht den größten Wert darauf legt, seine Kinder mit. voller Beherrschung der polnischen Sprache die Schule verlassen zu sehen. Wenn man die Eltern und die Kinder nicht mehr zu zwingen versucht, so wird 'schon die nächste Schulgeneration des jetzigen Generalgouvernements. Polen weit besser polnisch sprechen, als ihre Eltern, und dasselbe wird sogar für die im ruthenischen Sprachgebiet ansässigen Juden gelten. Sie werden statt zweisprachig, dreisprachig sein. Das liegt so klar im Interesse ihrer Laufbahn, daß keine Schulbehörde denkbar ist — sie könnte sich nicht ein Vierteljahr gegen den Unwillen der. Eltern halten —, die diesen Bedürfnissen nicht ausgiebig Rechnung zu. tragen gezwungen wäre. In dieser Beziehung ist die wenig bekannte Tatsache wohl der Beachtung wert, daß in der juristischen Fakultät .der tschechischen Universität Pragdie Kandidaten ein Hauptfach in deutscher Sprache zu bestehen haben, und daß die Deutschen Böhmens, ''ine der im schärfsten nationalen Kampfe, stehende Gruppe der Welt, vor einer Reihe von Jahren beschlossen haben, in ihren deutschen Schulen das Tschechische als Unterrichtsgegenstand einzuführen. Die wirtschaftlichen und geselligen Notwendigkeiten sind eben auf die Daner doch viel stärker als alle Phrasen der Bierbankpolitik; und wenn die eine Gruppe in einem zwiesprachigen Lande nicht ganz unter den Schlitten kommen will, so muß sie wohl oder «bei die zweite Sprache erlernen. Wenn wir diese Dinge erwägen, so kommen wir zu Vorstellungen über die künftige Ordnung des jüdischen Sprach- und Kulturproblems in Polen und Gaiizien, die wahrhaftig nicht geeignet sind, den fanatischsten Polen im sprachlichen Sinne zu erschrecken, selbst wenn es ein Pole jüdischer Konfession sein sollte. Wir werden in den unteren

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