Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 12 (25.3.1917)
- Article
- Moritz Manheimer
- Date
- 1917-03-25
- Page
- Seite 358 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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35S häuser und Siechonheime. Als er alt wurde, gedachte efr der Kinder und schuf Kindergenesungsheime und Kleinkinderbewahranstalten. Als die Tage des Greisenalters nahten, da erschien ihm die Fürsorge füT die Säuglinge das Höchste; in dem Gedanken an sie und in den Planen für die Gründung eines Säuglingsheims hat ihn der Tod abberufen. Als Deutscher und Jude war er universell sowohl in der Art seines Gebens, wie in seiner Weltauffassung. Die ganze Menschheit umfing sein Herz. Bei seinen Lebzeiten hat er über 40 größere Stiftungen der verschiedensten Art gemacht, in seinem Testament eine Familienstiftung errichtet und noch über ein halbes Hundert Vermächtnisse und Renten 1 der mannigfaltigsten Art ausgesetzt. Für Kunst und Wissenschaft hatte er ein offenes Herz. Er sorgte für Juden und Christen, für Kaufleute, Beamte, Handwerker und Studierende, für Krankenhäuser, Lehranstalten, Feuerwehren, Schützengilden, Logen, Lehrlingsheime, Volksheilstätten, Genesungsheime, Pensions- und Reliktenkassen, Brüdervereine, Kurhospitäler, Mädchenstifte, Kindersparvereine usw. Die Errichtung des Moses-Mendelsohn-Denkmals ist hauptsächlich sein Werk, den Gedanken zur Anregung . eines Denkmals für den Komponisten Meyerbeer hat er gegeben. Weil sein Herz die Menschheit umfing, so haßte er jede Ungerechtigkeit, Unduldsamkeit, jeden Fanatismus. Kein Zufall, daß er an Moses Mendelsohn ein besonderes, seiner Synthese von Deutschtum und Judentum entsprechendes Interesse nahm. Diesem großen jüdischen Philosophen, dessen Schriften der Geist der Duldsamkeit und Menschenliebe erfüllte, hat er nicht bloß ein Denkmal von Stein gesetzt wissen, sondern er hat ihn auch dadurch ehren wollen, daß er an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums eine Moses-Mendelsohn-Professur begründete. Er hat Mittel gegeben, um periodisch Preisausschreiben über Themen zu veranstalten, deren Bearbeitung Menschenliebe, Gerechtigkeit und Duldsamkeit zu fördern geeignet ist. Als der große Weltkrieg ausbrach, war er im Innersten seines Herzens verwundet, und einen Augenblick kam ihm wohl der Gedanke, die ausgesetzten Beträge nicht den Kündera der Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Toleranz, sondern den Opfern der Unmenschlichkeit und Unduldsamkeit zuzuwenden, aber gar bald kam doch wieder sein Glaube an die Menschheit zum Durchbruch. Er starb in dem Vertrauen, daß Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Duldsamkeit wieder siegen und Triumphe feiern würden, und alle unsere Vorschläge, den Gegenstand der Stiftung zu ändern, hat er zurückgewiesen. Moritz Manheimer war Mensch, nichts Menschliches war ihm fremd; auch auf ihn paßt von Huttens Wort: „Ich bin kein ausgeklügelt Buch, Ich bin ein Mensch mit meinem Widerspruch." Ich würde mich an seinem Bilde versündigen, wollte ich seine Schwächen, seine Eigenart vertuschen. So mild und weich er erschien, so knorrig und wurzelfest war er. Er konnte leichten Herzens Million an hergeben und kargte für sich mit dem Groschen. Er war für sich anspruchslos und bedürfnislos, und versagte auch anderen den Groschen,