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Neue jüdische Monatshefte · 1917-03-25 · Heft 12 (25.3.1917) · p. Seite 359

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 12 (25.3.1917)
Article
Moritz Manheimer
Date
1917-03-25
Page
Seite 359 (sequence 4)
Language
German
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359 wenn der Bittende der Gabe nicht würdig, oder unbescheiden zu sein schien. Was er als richtig erkannt, daran hielt er mit einer Zähigkeit fest, die unüberwindlich war; er konnte lieben und hassen, der kleine, weiche Mann konnte hart und streng sein. Durch die Eigenart seiner Persönlichkeit bezwang er die Menschen auch da, wo er ihnen nicht willfahrte. Wenn er die Alten und Kranken besuchte und mit ihnen sprach, so leuchteten ihre Augen auch dann, wenn er ihnen etwas versagte. Um Gunst hat er nie gebuhlt. Heut, in den Tagen des Völkerringens, wo es gilt, aufgehen in der nationalen Gemeinschaft, in die uns das Schicksal hingestellt, verblassen die Wertunterschiede der Individuen; nur die Züge der Persönlichkeit gelten, die ein Ausdruck nationaler Eigenart sind. Weil sich in ihm Judentum und Deutschtum zu wahrem Menschentum verkörperten, wird sein Andenken unvergessen sein. (IDEDEÖDGIIEDÜDGI] Umschau 0000000© Polen Das jüdisch-politische Leben on Polen wird, je näher die Wahlen in den Gemeinden und zu dem Obersten Rat rücken, desto lebhafter und bewegter. Die Orthodoxen haben sich nach der Begründung ihrer Organisation eine eigene Zeitung, „Das jüdische Wort", angeschafft und propagandieren durch diese ihre politischen Ziele. Die Zionisten entwickeln seit einiger Zeit eine überaus lebhafte Tätigkeit. Anstatt des ihnen gehörigen und eingegangenen Tageblattes .„Hazefirah" in hebräischer Sprache) erscheint seit wniffer Zeit die W o c h e n s c h r i f t „üazefirah" (ebenso in hebräischer Sprache). Diese Wochenschrift, zusammen mit der in jiddischer Sprache erscheinenden, neu begründeten Wochenschrift „Das jiddische Volk", bildet die neue zionistische Presse Polens. Die jüdische Volkspartei., diese jüngste Erscheinung des jüdisch-politischen Lebens in Polen, steht im Begriff, sich als Partei endgültig und fest zu organisieren. Das neue Organ der Partei, die in jiddischer Sprache erscheinende Wochenschrift „Das Volk", erfreut sich in Polen großer Beliebtheit. Am 11. März fand in Warschau eine von der Volkspartei veranstaltete 'Gründlingsversammlung des neuen politischen Mittelpunktes dieser Partei, („Volksklub") statt. Der Versammlung wohnten über 400 Personen, Mitglieder der Volkspartei und der neuen Institution, bei. Rechtsanwalt N. Prilutzki hielt die Eröffnungsrede, iiKder er ein Bild von der Entstehung der Volkspartei und ihrer weiteren Arbeit entwarf und die gegenwärtigen und künftigen Ziele der Partei klarlegte. Nach einer Reihe von Reden ging man an die Wahlen eines Klubrates, der aus den Führern der Partei und einer Reihe, von Ratsmiinnem besteht. Am 26., 27. und 28. März ünikt in Warschau die erste jüdische Kulturkonferenz statt, in der eine Reihe von wichtigen Fragen beraten wird. So über das jüdische Schulproblem, Aufgaben der jüdischen Kulturarbeit, über jüdische Sprache und ihre Bedeutung für das jüdische Leben, über das jüdische Theater, jüdische Bibliotheken usw. Das polnische Judentum rüstet sich, um stark organisiert an die, Wahlen zu der obersten Repräsentanz' (dem Obersten Rat der J u - d e n) heranzutreten. Wie wir hören, sollen die Waiden * kurz nach den Feiertagen stattfinden.

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