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Neue jüdische Monatshefte · 1917-03-25 · Heft 12 (25.3.1917) · p. Seite 345

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 12 (25.3.1917)
Article
Die neuesten Veränderungen der jüdischen Wirtschaftslage in West- und Osteuropa
Date
1917-03-25
Page
Seite 345 (sequence 4)
Language
German
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345 Körperschaften. Aber das sind jüdische Sorgen einer fernen Zukunft. Vor dem Weltkriege sah auf immer mehr sich weitendem Markte der Jude ein großes, lohnendes Betätigungsfeld vor sich. Immer noch erschloß sich bis zum Kriege hin Neuland in Übersee und Untergrund, Neuland im heimischen Boden und in der heimischen Wirtschaft;*"jedes Gebiet brauchte neue Organisatoren, und die Elastizität des Juden ließ ihn um so brauchbarer erscheinen. Gerade für Deutschland um so wertvoller. Vor dem Kriege sagte ich darüber einmal: „Die Eroberung des wirtschaftlichen Neulandes ist notwendig zur Erhöhung unseres Volksreichtums; diese aber leisten die werbenden Kräfte in Handel und Industrie im Binnenlande ebenso wie in Übersee, In weit höherem Maße als die übrige Bevölkerung leisten die deutschen Juden solche werbende Arbeit als Unternehmer und diesen nahestehende Privatangestellte. Ich bin weit entfernt, die ausführende Arbeit in Werkstatt und Bureau geringzuschätzen, aber volkswirtschaftlich ist die Unternehmertätigkeit, die eigentlich werbende Arbeit mit ihrer Erschließung neuer Absatzquellen sehr viel wichtiger. Je mehr das deutsche Volk zur Bureaukratisierung neigt, um so dringender notwendig sind ihm, will es sich auf dem Weltmarkte behaupten, Bürger mit Unternehmer-Willen und Unternehmer-Fähigkeit. Beides aber besitzen seine Juden. Daß diese Fähigkeit im freien Wettbewerb sieh hoch bezahlt macht, ist nur ein Zeichen ihrer Soltenheit und ihres hohen volkswirtschaftlichen Wertes. Daß die deutschen Juden dieses wertvolle seelische Ferment in so hohem Grade besitzen, dessen haben sie sich weder zu schämen, noch brauchen sie es zu verbergen. Auch sehe ich keinen Grund, es durch berufliche künstliche „Umgruppierung44 der Juden beseitigen, gleichsam unschädlich machen zu wollen 4).44 IV. So traf uns der Krieg. Wie hat er auf die Wirtschafstlage der Westjuden gewirkt, und was haben wir nach dem Ende dieser schweren Prüfung zu erwarten? Als das Unglück über Europa hereinbrach, als wir aus unserm schaffensfrohen Dasein herausgeschleudert wurden - ins ungewisse Soldatenschicksal, da hat die jüdische Jugend sicherlich prozentual nicht weniger wirkliche Freiwillige als andere Schichten gestellt, und der eine der drei Abgeordneten, die bis jetzt vor dem Feinde gefallen sind, war der Jude Dr. Frank. Aber für die meisten Daheimgebliebenen war es nach den ersten Erschütterungen, soweit ich sehen kann, eine günstige Konjunktur. Gewiß vermute auch ich, daß die jüdischen Rechtsanwälte keine blendenden Geschäfte gemacht haben, auch die jüdischen Privatdozenten sollen aus ihren Kolleggeldern keine Kriegsgewinnsteuer ge- 4) .,Gcdanken zu Segalls Buch über die deutschen Juden". KC-Blätter. November 1912.

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