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Neue jüdische Monatshefte · 1917-03-10 · Heft 11 (10.3.1917) · p. Seite 321

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 11 (10.3.1917)
Article
Das ganze Jahr betrunken und am Purim nüchtern
Date
1917-03-10
Page
Seite 321 (sequence 5)
Language
German
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321 Porusch schon so sehr an den Truthahn, daß er jeden Tag zu Gott betete, es möchte ihn doch ein Reicher zum Purim laden, damit er den Truthahn nicht zu opfern brauchte. Wie gesagt, geschah es nach seinem Wunsch. Einer der reichsten Bürger hatte ihn zum Purim eingeladen. Und da gab es nicht nur Truthahnbraten, sondern auch allerlei andere gute Speisen und Getränke, wie es ein König vermochte. Es kamen auch gute Purimspieler hin, um den Hausherrn mit seiner Familie und alle Gäste, die zu ihm abends nach dem Purimmahl gekommen waren, zu erfreuen. Und unser Porusch war guter Dinge, trank und aß nach Herzenslust; vielleicht trank er sogar mehr als er aß, denn der Wein war süß und würzig und erwärmte ihm das Herz und alle Glieder. Und plötzlich wurde es ganz anders. Es begann das Purimspiel von Achaschwerosch und Esther . . . Die Königin Waschti will nicht den Wunsch des Königs erfüllen und vor den Gästen so, wie Gott sie erschaffen hat, erscheinen . . . Und bald darauf findet Esther Gnade in den Augen des Königs . . . Man übergibt sie dem Hüter der Weiber ... Sechs Monate wird sie mit Myrrhen gesalbt und sechs Monate mit anderen Spezereien. Und unserm Porusch wurde es plötzlich so heiß in allen Gliedern, und finster vor den Augen, und eng im Herzen. Und in der Finsternis flogen vor seinen Augen rote Bänder und Flammenzungen, und ihn überkam plötzlich eine starke Begier, heimzukehren auf den Dachboden der Jeschiwah, in seine Kammer, in seinen stillen Winkel . . , zum Truthahn , . . Und er konnte es nicht aushalten, sprang noch vor dem Tischgebet auf und lief nach Hause. Er kommt in seine Kammer, blickt in den Winkel, wo der Truthahn gesessen hatte, und erstarrt:* der Truthahn hat sich in ein Weib verwandelt; in ein Weib, so schön von Angesicht, wie es die Welt noch nicht gesehen hat. Und er erzittert am ganzen Leib. Und das Weib geht auf ihn zu und umschlingt mit ihren weißen, warmen, bloßen Armen seinen Hals, und der Porusch zittert noch mehr und fängt zu flehen an: „Nur nicht hier, nur nicht hier, es ist eine heilige Stätte, heilige Bücher liegen hier herum/ Sie flüstert ihm aber ins Ohr, daß sie die Königin von Saba sei, daß sie ganz in der Nähe der Jeschiwah, im hohen Schilf am Flusse, ihren

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