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Neue jüdische Monatshefte · 1917-03-10 · Heft 11 (10.3.1917) · p. Seite 319

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 11 (10.3.1917)
Article
Das ganze Jahr betrunken und am Purim nüchtern
Date
1917-03-10
Page
Seite 319 (sequence 3)
Language
German
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319 Geschichte, und die Leute glaubten von nun an noch stärker an den Porusch und hofften mit noch größerer Ungeduld, daß er sich als heiliger Mann offenbaren werde. Auch das berichtete man dem Rabbi Chaim Vital. Erschüttelte wieder den Kopf, seufzte und sagte: „Wenn er nur die Kraft dazu hat!" Und als man in ihn drang, daß er diese Worte erkläre, sagte er noch: „Da sein erster Entschluß nicht vom Himmel kam, wird er großen Versuchungen ausgesetzt sein. Daß er nur nicht strauchle . . Rabbi Chaim Vital pflegte aber nichts so ins Blaue hinein zu sagen! Einmal sitzt der Porusch, in ein Buch vertieft, in seiner Kammer, als er plötzlich draußen vor der Türe etwas picken hört. Ihn befällt eine Unruhe. Es pickt aber immer weiter und weiter. So erhebt er sich von seinem Platz, vergißt sogar das Buch zuzumachen und öffnet die Türe. Und wie er die Türe öffnet, steht draußen ein Truthahn. Und er läßt den Truthahn ein. Nun kommt ihm der Gedanke, daß es ganz gut wäre, wenigstens eine lebende Seele in seiner Kammer zu haben. Seine Frau pflegte ja Singvögel zu halten . . . Der Truthahn kommt in die Kammer und setzt sich ganz still in einen Winkel. Der Porusch grübelt, was das bedeuten mag, und setzt sich schließlich wieder an sein Buch. Und wie er so sitzt, fällt ihm ein: bald ist ja Purim, und darum hat ihm der Himmel zum Lohn für sein Lernen einen Truthahn geschickt. Was wird er aber mit dem Truthahn anfangen? Wenn ihn jemand zum Purim einlädt — sagt er sich —und vielleicht gar ein armerMann, so wird er am Vorabend denTruthahn hinschicken und am nächsten Tage auch selbst etwas davon haben. Seitdem seine Frau gestorben war, hatte er noch kein einziges Mal Geflügel gekostet. Und wie er sich das denkt, läuft ihm schon das Wasser im Munde zusammen. Er wirft einen Blick auf den Truthahn und sieht, daß der Truthahn ihn so freundlich anschaut, als ob er seinen Gedanken erraten hätte und sich freute, daß ihm die Gnade bevorstehe, vom Porusch gegessen zu werden. Nun kann sich der Porusch nicht länger beherrschen. Er blickt jeden Augenblick vom Buche weg und schaut den Truthahn an. Und es scheint ihm, daß der Trut-

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