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Neue jüdische Monatshefte · 1917-03-10 · Heft 11 (10.3.1917) · p. Seite 318

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 11 (10.3.1917)
Article
Das ganze Jahr betrunken und am Purim nüchtern
Date
1917-03-10
Page
Seite 318 (sequence 2)
Language
German
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318 eine eigene Kammer zuweise, wo er in völliger Einsamkeit studieren könnte, , Der Rektor nahm die Schenkung an und ließ auf dem Dachboden der Jeschiwah einen eigenen Bretterverschlag für den jungen Mann bauen und ihm einen Strohsack und ein Waschgeschirr geben. Und der junge Mann ging ans Studium. Außer am Sabbat und an den Feiertagen, wo er bei den Bürgern der Stadt zu Gast geladen war, sah er keinen lebenden Menschen; das Essen für die ganze Woche und das reine Hemd für den Sabbat oder Festtag pflegte ihm der Schuldiener hinaufzubringen. Und wenn der junge Mann seine Schritte auf der Treppe hörte, wandte er sich jedesmal zur Wand und stand, das Gesicht der Wand zugekehrt, bis der Schuldiener wieder hinausgegangen war und die Türe hinter sich verschlossen hatte. Mit einem Wort — er wurde ein Porusch1). Anfangs glaubten die Leute, daß er es nicht lange aushalten würde; er war ja vorher so lebenslustig gewesen. Es verging aber eine Woche, und noch eine Woche, und der Porusch saß noch immer da und studierte. Selbst um Mitternacht hörte man draußen auf der Straße, wie er mit trauriger Stimme lernte, oder man sah ihn am Fensterchen seiner Bodenkammer stehen und zum Himmel emporschauen. Das gefiel den Leuten, und sie fingen zu hoffen an, daß aus dem Porusch dereinst ein Großer im Israel und vielleicht gar ein Kabbaiist und Wundertäter werden würde. Man berichtete das auch dem Rabbi Chaim Vital. Er aber schüttelte den Kopf und sagte: „Wenn er es nur aushält . . Nun geschah ein kleines Wunder. Des Schuldieners Töchterchen, das dem Porusch manchmal das Essen hinaufbrachte, hatte das Verlangen, den Porusch wenigstens einmal von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Was tat sie? Sie zog Schuhe und Strümpfe aus und trug ihm seinen Brei barfuß hinauf; sie schlich so leise, daß sie ihr eigen Herz klopfen hörte. Nun erschrak sie aber vor ihrem eigenen Herzklopfen, stürzte die Treppe hinunter und war nachher einige Monate krank. Irv ihrem Fieber erzählte sie die ganze *) Porusch — wörtlich „Abgesonderter", ein Mann, der seine Frau verlassen hat und, ohne von ihr geschieden zu sein, als Art Mönch ausschließlich dem Gebet und dem Studium lebt,

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