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Neue jüdische Monatshefte · 1917-02-25 · Heft 10 (25.2.1917) · p. Seite 289

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 10 (25.2.1917)
Article
Chassidische Legenden
Date
1917-02-25
Page
Seite 289 (sequence 3)
Language
German
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289 und der. Sohn kamen heraus und boten den Frauen den Friedensgruß. Danach begaben sich die Angekommenen nach ihrer Herberge. Mit großer Freude wurde die Hochzeit gefeiert; es war ein siebentägiges Fest; der Rabbi und seine Getreuen trugen in sinniger V/eise Stücke aus der Schrift vor. Nach der Hochzeit fuhr die Mutter der Braut zurück nach Hause, frohgestimmi. Ähnliches hatte sie, seit sie lebte, nicht gesehen und nicht gehört. Der Rabbi war sehr freundlich zu seiner Schnur. Da träumte der jungen Frau in einer Nacht, daB sie auf einen himmlischen Söller gekommen wäre, wo ein hohes Gericht von Ältesten und ehrwürdigen Männern saß; das Gericht hatte vor, ihren Mann von ihr zu nehmen und ihn von der Erde abzuberufen. Da schrie sie laut auf und rechtete mit den Richtern. Danach erwachte sie, und siehe, es war nur ein Traum gewesen. Sie erzählte aber keinem Menschen etwas davon, selbst ihrem Schwäher nicht, in dessen Hause sie war. In der folgenden Nacht sah sie wieder denselben Traum und ließ wiederum kein Wort fallen. In der dritten Nacht erschien der Frau dasselbe Gesicht; sie sah sich einen hohen Saal betreten, in dem Richter saßen und den Tod über ihren Mann verhängen wollten; sie brachte Gründe gegen das zu fällende Urteil vor, bis die Richter sprachen: Sieh, deine Einwände sind wohl überzeugend, deswegen wollen wir dir deinen Mann noch für zwölf Jahre schenken. Als die junge Frau am folgenden Morgen in die Stube ihres Schwähers trat, pries dieser sie dankend und segnete sie dafür, daß sie durch ihre treffliche Rede das Leben seines Sohnes um zwölf Jahre verlängert hatte. Und so geschah es auch; der junge Rabbi lebte nach seiner Vermählung noch zwölf Jahre. Ehe er aber verstorben war, verschied sein Vater, der alte Rabbi. Seine Seele fuhr in den Himmel, und er überließ das Leben den Lebenden. Aber wie nur irgendeine Not im Hause seines Sohnes war oder sdiwierige Angelegenheiten der Lösung harrten, erschien er der Schnur im Traume der Nacht und unterwies sie, was zu tun sei. Nach zwölf Jahren Es begab sich nach Jahr und Tag, daß der junge Rabbi nach einem andern Orte eine Reise unternahm. Er kam in der Stadt an, und hier empfingen ihn die Einwohner mit großen Ehren. Sie machten ihn zu ihrem Oberhaupt und setzten ihm ein Gehali

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