Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 10 (25.2.1917)
- Article
- Chassidische Legenden
- Date
- 1917-02-25
- Page
- Seite 288 (sequence 2)
- Language
- German
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288 seien, wie sie ihr Lehrer und Meister hierhergeschickt hatte, um wohlanständige Rede wegen ihrer Tochter vorzubringen; sie solle seinen Sohn ehelichen, der vor kurzem verwitwet worden sei. Das war aber der Frau zum Lachen, denn sie kannte den fremden Rabbi nicht, hatte nie von ihm gehört und hatte bis jetzt nicht daran gedacht, ihre Tochter einem Manne zu vermählen, denn das Mägdlein war erst zwölf Jahre alt. Als aber die zwei Männer ihren Antrag immer wiederholten, hörte sie auf ihre Worte mehr und sprach: Ist doch gottlob auch mein Herr zu Hause, was soll ich dabei? mag er tun, wie es ihm wohlgefällt. Also liefe man den Frommen aus dem Lehrhause holen. Er kam, und die Boten des Rabbi trugen ihm ihr Begehren vor. Er hörte ihre Rede an und ließ sogleich den Thoraschreiber rufen, damit der den Verlobungsbrief aufsetze. Als dieser die Urkunde zu schreiben anfing, sagten die Boten: Ihr könnt in allem über den Vater des Bräutigams bestimmen, allein die Hochzeitsfrist dürft ihr nicht aufschieben. Die Eltern des Mädchens erwiderten: Heißt es doch aber in den Gesetzesbüchern, daß man einer Jungfrau zwölf Monate Wartezeit geben soll, zumal wir bis jetzt an ihre Vermählung gar nicht gedacht haben; außerdem hat sie keine Hochzeilskleider und keinen Brautschmuck. Die Männer antworteten: Darauf gehen wir nicht ein, das können wir nicht tun, daß wir die Frist verlängerten, sondern das Mädchen mu& alsobald mit uns fahren. Da nun die frommen Leute sahen, daß die Sache von Gott ausgegangen war, stimmten sie auch diesem bei. Sie kamen mit den Boten des Rabbi darin überein, da& die Mutter allein mit der Braut zur Hochzeit hinführe; der Vater sollte daheim bleiben, um von der Lehre nicht abgelenkt zu werden. Nun dangen die Abgesandten noch einen Wagen für Mutter und Tochter und fuhren mit ihnen nach der Stadt des Rabbi. Unterwegs kam es der Frau seltsam vor, wie sie sich zu solchem Tun hatte überreden lassen. Als aber die Wagen durch eine Stadt fuhren, die in der Nähe des Wohnortes des Rabbi lag, kamen alle Einwohner, jung und alt, und begrüßten die Schnur des großen Meisters. Da wurde das Weib ruhigeren Sinnes. Wie sie danach in dem Orte anlangten, wo der Heilige selbst wohnte, ging ihnen alles Volk, Männer, Weiber und Kinder, entgegen, daß die Pferde vor der Menschenmenge nur langsam schreiten konnten. Endlich hielten die Wagen vor dem Hause des Rabbi. Der Vater