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Neue jüdische Monatshefte · 1917-02-25 · Heft 10 (25.2.1917) · p. Seite 285

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 10 (25.2.1917)
Article
Zwei Tagungen der deutschen Juden - Der zionistische Delegiertentag
Date
1917-02-25
Page
Seite 285 (sequence 2)
Language
German
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255 eigene Philosophie zu erfinden und sie theoretisch zu begründen. Ein Versuch, der notwendig in der Sackgasse enden mußte und — abgesehen von den unleugbaren Verdiensten anderer Art — die Richtlinien der zionistischen Politik in Deutschland zu kunstvollen, indessen nicht immer sinnreichen Arabesken führte, in deren Dickicht sich niemand mehr zurechtfand und deren ungastliche Wirrnis Ferncrstehende nur verscheuchte. Hier setzte zunächst die reinigende Kraft des Krieges ein. Und gerade jene' junge Generation, für welche Blumenfeld zu wirken gedachte, war es, die sich von ihm lossagte und die auf diesem Delegiertentag zum Ausdruck brachte, in weichem Maße seine Epoche bereits ihre Grenzen und ihre ^Überwindung gefunden hat. Rein äußerlich kam dies dadurch zum Ausdruck, daß der Delegiertentag beschloß; alle rein kulturellen Fragen, von der Organisation loszuschälen und sie einer unabhängigen Instanz zu unterstellen, deren Aufgabe es nun sein wird, für die Wiederbelebung der orientalisch-altjüdischen, durch das abendländische Christentum nur verdrängten, aber nicht berührten Sittlichkeitswerte zu wirken. An der Spitze dieses national-kulturellen Ausschusses steht Martin Buber, gegenwärtig die stärkste Potenz, die wir in Deutschland unter unseren metaphysischen Dichtern und Aposteln der jüdischen Sittlichkeitsidee besitzen. Das Zentralkomitee aber, nunmehr dieser Bürde enthoben, ist auf das Fundament einer politischen Partei zurückgeführt worden, die ihre Arbeit in Zukunft ausschließlich so zu gestalten hat, wie es einer Partei (im Gegensatz zu einer Glaubensgemeinschaft oder Sekte) zukommt: praktisch und politisch, vernünftig und zweckmäßig. Auch über die besondere Richtung, welche diese Arbeit einschlagen soll, hat der Delegierten tag nicht im Unklaren gelassen, und jene erwähnte junge Gruppe, die liier zum erstenmal ihren Anspruch auf Berücksichtigung in der Partei erhob — ein Anspruch, der vermutlich im Verhältnis zur Zeitentwicklung steigen wird —, wies mit Deutlichkeit auf den Osten hin, dessen verwüstete Judenstädte genug der nächstliegenden Gegenwartsarbeiten bieten. Hiermit im Zusammenhang wurde auch die Notwendigkeit zum Ausdruck gebracht* daß man in dieser praktisch-politischen Arbeit für die Juden unter Abkehr von der bisherigen Isolierungspolitik ein Fundament zu möglichst alljüdischer Beteiligung schaffen müsse; und da erfreulicherweise an allen Orten die Erkenntnis dämmert, welche furchtbare Gefahr für unser Volk hinter den inneren Kämpfen und der Zerrissenheit lauert* scheint es, als ob auch in dieser Hinsicht eine neue Epoche einsetzen könnte. Von Neuwahlen wurde Abstand genommen, so daß die Parteileitung zunächst unverändert bleibt Trotzdem bedeutet dieser Delegiertentag ohne Zweifel wie selten einer die Überwindung einer Stufe und einen Richtungwechsel. In der praktischen Arbeit wird sich dies bald erweisen1); einen offiziellen Ausdruck aber kann es erst finden, wenn J) Symptomatisch hierfür ißt der Leitartikel der „Jüdischen Rundschau" vom 23. Februar 1916.

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