Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 10 (25.2.1917)
- Article
- Zwei Tagungen der deutschen Juden - Der zionistische Delegiertentag
- Date
- 1917-02-25
- Page
- Seite 286 (sequence 3)
- Language
- German
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286 bessere Verhältnisse die Ersetzung der außerordentlichen durch ordentliche Delegiertentage gestatten, 2; Hauptversammlung: des Zentralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Von Justizrat Dr. M. H o r w i t z, Berlin Am 4. Februar d. J. hat nach einer durch die Kriegsereignisse verschuldeten mehrjährigen Pause der Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens eine Hauptversammlung in Berlin abgehalten, die unter dem Eindrucke der noch herrschenden kriegerischen Verhältnisse (insbesondere des gerade an jenem Tage bekannt gegebenen Abbruchs der diplomatischen Beziehungen seitens der Nordamerikanischen Union) stand und ein Spiegelbild der Stimmung der deutschen Juden war. Da die Tagespresse über den Verlauf der Versammlung berichtet hat, sei hier nur ein kurzer Blick auf die Verhandlungen geworfen. . Es war eine echte Versammlung der Deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens, die sich hier in Vertretern aus allen deutschen Gauen (auch aus den Reichslanden und den dem Kriegsgel iit unmittelbarst benachbarten Teilen des Reiches) zusammengefunden hatten, alle begeistert und entflammt, pflichterfüllt und opferbereit für ihr deutsches Heimatland, alle aber auch entschlossen, für ihren Glauben einzustehen, ihn nicht herabwürdigen zu lassen und sich unter keinen Umständen irgendwelcher Zurücksetzung um ihres Glaubens willen zu fügen. Die Zurückhaltung in der Öffentlichkeit, die durch des Vaterlandes schwierige Lage geboten ist, hat der Verein — sowohl in seinem sonstigen Wirken während des Krieges, wie in der Hauptversammlung — getreulich gewahrt; deutlich aber kam zum Ausdruck, daß, sobald die inneren Feinde des friedlichen Beisammenlebens aller Bürger am Werke sind, um ihr klägliches Treiben gegen ihre jüdischen Mitbürger nach dem Friedensschlüsse von neuem beginnen zu können, wir, die Angegriffenen, bereit sind, den Kampf dann aufzunehmen. Daß auch in Kriegszeiten die Judenfeinde, durch die dem Ansehen unseres Vaterlandes hei den Neutralen so schwer geschadet worden ist, den Burgfrieden nicht immer gewahrt haben, und daß den jüdischen Staatsbürgern auch von Stellen, denen eine besondere Pflicht, Gerechtigkeit zu üben, obliegt, mancherlei Unrecht zugefügt worden ist und eifrige Wacht und Arbeit aufgewendet werden mußte, wird niemand überraschen, der unsere heiniischen Widersacher kennt oder auch nur an die Judenzählung im Heere erinnert wird, von welcher der jetzige Kriegsminister in einem zur Veröffentlichung freigegebenen Briefe selbst anerkannt hat, daß sie in dem Verhalten der jüdischen Heeresangehörigen und Mitbürger keine Begründung gefunden, und die doch eine solche Fülle des Unheils angerichtet hat! Was hier und in anderen Fällon zur Abwehr unternommen werden mußte, kam zur Erörterung und eß wurde auch der positiven Arbeit gedacht, die im Interesse der jüdischen Feldtruppen (Versorgung, mit Lektüre usw. usw.) geleistet worden ist und die, wie z. B. die Vorbereitungen zur Schaffung und